Sonntag, 15. November 2009

Schreibbuch sucht Wohlgesinnte(n)


Dieser Tage habe ich großes, daumendickes Schreibbuch fertiggestellt. Den Block habe ich aus einem feinen, glatten 110 g/qm schweren, unlinierten chamoixfarbenem Schreibpapier mit 1,5fachem Volumen auf 3 Bänder handgeheftet. Es öffnet sich leicht und liegt schön plan auf. Die Kapitalbändchen sind handgefertigt. Der gerade Rücken ist mit 4f-Gaze verstärkt und mit hellgrauem Iris bezogen. Das Bezugspapier ist wohl ein japanischer Handsiebdruck in Silber und Grüntönen, das ich auf der Buchbindermesse gekauft habe. Sollten Sie Interesse haben, dieses Buch zu kaufen UND seiner Qualität wohlgesonnen sind, schicken Sie mir bitte eine eMail. Der Preis kommt umgehend ::hier::

Mittwoch, 4. November 2009

F. Morf. Papparbeit und Bucheinband - Zurück im Bücherregal



Für ein paar Euros habe ich mir diese hübsche Buchruine (ca. A5, 130 S., viele SW-Abb.) auf ebay ‚geschossen’. Der Verkäufer hatte die Beschreibung kräftig geschönt. Sie hat nur gestimmt, wenn das Büchlein geschlossen im Regal stand. Geöffnet fielen mir die Einzelteile entgegen. Ebenso hing der sog. amerikanische Schutzumschlag in Fetzen an der Einbandpappe herunter. Dieses Buch von Friethold (!) Morf, erschienen im Verlag Otto Maier Ravensburg, wurde zwischen den 20er und den 50 Jahren einige Male wiederaufgelegt: Mal in expressionistischer, mal in nazifreundlicher und meines in klassizistischer Typographie mit hochmoderner Umschlaggestaltung. 
Nach einem amerikanischen Vorbild habe ich einen besonders schmalen Halbleinenrücken gewählt und passende kleine Leinenecken, was ungeheuer Material spart und sehr elegant wirkt. (Das werde ich mal mit Leder versuchen - bei den aktuellen Preisen lohnt sich das sicher.) Die Vorsätze sind  passend zum leicht gilben Kunstdruckpapier des neu auf Bänder gehefteten Buchblocks gewählt. Die vorhandenen Heftlöcher habe ich nach Möglichkeit wieder verwendet. Eingebunden ist das Schätzchen in eine alte Nato-Karte, die mir Buchbindefreund Uwe generös geschenkt hatte. Mir gefällt's so, schließlich bin ich nicht wg. meiner filigranen Einbände bekannt.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Klebebinden - Buchbinders Alltag


Wenn ein Block aus Bögen oder schrecklicherweise aus Einzelnblättern besteht und diese nicht mit Zwirn, Draht, Bändern oder Kordeln sondern mit Klebstoff zusammengehalten werden, dann nennt man das Klebebinden. Bereits im 19. Jahrhundert (wahrscheinlich sogar früher) haben Buchbinder damit experimentiert, das mühevolle, zeitraubende Heften durch andere Techniken zu ersetzten. Sie nannten ihre innovative Klebetechnik „patentieren”.
Andererseits verwendete man schon vor 1850 für die immer größer werdenden Buchauflagen gerne verzinkte oder auch Reineisen-Heftklammern unterschiedlicher Größe in maschinell betriebenen Heftautomaten. Von den Folgen, wenn säurehaltiges Papier mit Gazestreifen zusammengetackert wurde und der Rücken aus dicken Schichten von Buchbinder- oder Tierleim und Shirting bestand, können diejenigen von uns ihr Klagelied singen, die versucht haben, ihre altersschwachen Meyers oder Brockhaus-Bände mit den herrlichen Illustrationen neu einzubinden.
Es soll auch Versuche noch vor 1900 gegeben haben, Klebebindungen aus Kautschukverbindungen herzustellen. Kurzfristig waren diese Experimente erfolgreich, langfristig sind jedoch kaum Beispiele überlieferter Bindungen erhalten, da sie die unangenehme Eigenschaft hatten auszuhärten und vollständig und irreparabel zu zerbröseln.
Nach der Erfindung durch Emil Lumbeck (1886–1979), der seine Klebebindung aus einer Kombination von Hart- und Weichleimen herstellte, nennt man seit dem den gesamten Vorgang „lumbecken” (im englischen nennt sich das „best bind”). Die Feinheiten dieser Bindetechnik sind Manchem suspekt, dabei ist das wichtigste schnell dargestellt (siehe Abb. oben). Nicht im Bild ist das sorgfältige Abpressen des geleimten Rückens und das Hinterkleben der Bindung mit Gaze oder Papier.
Ob das Aufrauhen des trockenen oder eingepappten Papierstapels mittels Ahle oder Raspel die Bindung verstärkt, dazu hat jeder Buchbinder seine eigene Meinung und seine Erfahrungen gemacht. Ich habe bei meinem Buchbinde-Guru Krons auch eine Klebebindetechnik gelernt, bei der wir den Papierstapel vorsichtig 1-1,5 mm eingesägt haben und dann in den Riefen durch den Leimauftrag Heftfäden eingezogen haben.
Krons, der in Zeiten größter wirtschaftlicher Not Gewerbelehrer in Köln war, hat uns auch eine erfolgreiche Lumbeck-Technik gelehrt, die ohne Gaze oder andere geeignete Textilien zum Hinterkleben auskommt. Ein laufrichtungskorrekter Streifen Kraftpapier wird pitschenass gemacht und kräftig ausgepresst. Das so völlig verschrinkelte Stück Packpapier wird noch feucht auf die Leimung aufgerieben. Getrocknet hält das bombenfest und ist ebenso flexibel wie Gaze.

Kästen bauen - Buchbinders Gesellenstück




Dieses amerikanische Manuskript „Boxes for the Protection of Rare Books: Their Design and Construction”** geistert bereits seit längerem durch die Diskussionen der BuBi-Freunde. Es hat einen Ruf wie Donnerhall. Manche jedoch sehen es ausgesprochen ‚kritisch’. „Das ist mir zu akademisch, viel zu abstrakt.” So oder so ähnlich lauten die Kommentare. Nun hätte ich hier ein Beispiel, wie man auf Basis der Thesen und Arbeitsanweisungen des Autors seine ganz persönlichen Projekte realisieren kann.
Zugeben, der ‚Macher’ der Beispiele ist Profi, aber dafür hat unsereiner doch alle Zeit der Welt, um eine solche textilkaschierte Box zu bauen. Und was den englischen Text anlangt, der ist ‚akademisch’, ja, dafür aber präzise und mit einem ordentlichen Wörterbuch sauber zu übersetzen. Auch Peachey's Text enthält einige nützliche Fingerzeige für mutige Käschtlesbauer.

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Ordnung muss sein, deshalb hier der vollständige Innentitel: Compiled by Lage Carlson, John Bertonaschi, Margot Healey, Lynn Kidder, Nancy Lev, Bob Muens, Carol Paulson, Carrie Beyer. Die Illustrationen stammen von Margaret Brown. Vorwort von Kenneth E. Harris. Einführung von Peter Waters. Preservation Directorate. Collections Services. Library of Congress. Washington. 1994. 7 Kapitel. 1 Index. Insgesamt NN Seiten; jedes einzelne Kapitel wird neu angezählt.
Bildquelle: Jeff Peachey

Montag, 19. Oktober 2009

Leder schärfen – Buchbinderstress



Hurra, es ist ein Zwilling, sagt mir das eingepunzte Logo. Dieses hübsche Lederschärfmesser fand ich für sage und schreibe 3 Euro auf einem Flohmarkt. Die 2 mm starke Stahlklinge sitzt, von einer Messinghülse geschützt, in einem gedrechselten Holzgriff. Alle Teile sind, abgesehen von ein paar bescheidene Korrisionsnarben, in bester Verfassung. Die Schneide habe ich schön vorsichtig über einen nassen Abrichtestahl und meinen (selbstgefertigten) Streichriemen gezogen. Alles bestens (siehe großes Foto). Das Messer arbeitet hervorragend - für einen Linkshänder. Hm, da fällt mir ein, ich bin ja Rechtshänder. Also muss ich von oben nach unten schärfen. Oder einfach nur diese Klinge bewundern, die so aussieht, als ob sie aus antiken Samurai-Schwertern gefertigt worden wäre. Wann dieses edle Werkzeug entstanden ist, können mir vielleicht die ExpertInnen vom Solinger Klingenmuseum sagen, die ich bald besuchen werde. Ich schätze, dass es noch aus Kaisers Zeiten stammt.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Günter Brus „ZERREISSPROBE” bei Werner Clemens



Mein Freund Werner Clemens [ buch-und-kunst.de ] hat einen schlichten, schönen Katalog zu frühen Arbeiten des Mitglieds der Wiener Gruppe, Günter Brus, in Kleinstauflage vorgestellt. Er zeigt Arbeiten aus den frühen 70er Jahren, darunter hervorragende Zeichnungen, die lange im Verborgenen schlummerten. Clemens untertitelt seine Dokumentation früher Brus-Arbeiten so: Dokumente, Entwürfe, Siebdrucke, Zeichnungen. Es sind Original-Arbeiten, Zeichnungen vor allem, altmeisterliche Radierungen, Siebdrucke, Entwürfe etc., mit denen ‚damals’ in den wilden 70er Jahren der legendäre Galerist Hundertmark (Berlin/Köln) in der Welt der avantgardistischen Kunst erfolgreich war.
Wenn Sie sich beeilen und freundlich „Bitte?!” sagen, dann könnten Sie vielleicht noch eines der sehr raren Exemplare ergattern.

Augenweide Bibliodyssey


Wenn garnichts mehr geht, dann geh' ich gerne mal hier hin [ http://bibliodyssey.blogspot.com/2009/10/outer-space.html ]. Da lässt sich IMHO eine der schönsten (digitalen) Büchersammlungen weltweit bestaunen, ohne dass man gezwungen wird, durch spiegelndes Panzerglas zu schielen oder durch mürrische Wärter weitergescheucht wird. Das ist eine frei zugängliche Augenweide! Lang lebe das Internet!