Mittwoch, 16. April 2014

Kästner in Farbe

Erich Kästner · Textbuch für Kindertheater


Also ja, manchmal lasse ich mich durch die Sonderwünsche meiner Freund_Innen und bestimmte Signale aus deren nonverbalem Kommunikationsrepertoire von meinem geliebten Kärglichkeitsdesign beim Buchbinden abbringen. So auch hier, denn dieses Inselbücherei-inspirierte Büchlein möchte A. ihrem (platonisch) geliebten Prof verehren. Das sollte ursprünglich kopiert, gelocht und in einen Hefter wandern und dann einem Ästheten verehrt werden? (grusel). 
Nun kommt es also kopiert, gelumbeckt und als Millimeterband glutig rot und leiden-schaft-lich pink daher. Das Marmorpapier stammt aus Indien. Der Regentstreifen, der lange in einer Restekiste schlummerte, kommt doch dazu richtig gut, oder? Machte mich schön schwindelig! ;)

Sonntag, 6. April 2014

Ohne weitere Worte



Herein, wenn's kein Schneider ist!
Oder: Vorsicht, Kunde droht mit Auftrag!

Vom kölnischen Patriotismus

Als relativ neues Mitglied der Bibliophilen-Vereinigung „Maximilian-Gesellschaft” habe ich natürlich die diesjährige Hauptversammlung des Vereins in Köln als einmalige Chance genutzt, meinen ziemlich beschädigten Patriotismus als Kölner Bürgen aufzupolieren. Auf dem Maximilian-Ticket unterwegs, konnte ich - zusammen mit den Gleichgesinnten - einige von den Kölner Bibliotheken besichtigen, was schreibe ich, bewundern, die sich sonst hinter strenger Wissenschaftlichkeit und unüberwindlichen Panzertüren ins Dunkel der Serösität zurückziehen. Aus der Arbeit, die in diesen Instituten der unterschiedlichsten Ausrichtung geleistet wird, ernährt sich zu einem noch zu bestimmenden Teil das restliche positive kölnische Image.
Donnerstag, 3. April: Am Nachmittag folgten wir der Einladung in die Kölner Diözesan-Bibliothek. Der Direktor, Prof. Finger, präsentierte einige seiner Schätze. Das waren, bis auf eine Ausnahme, Handschriften, Bücher von unvorstellbarem kulturellen Wert für Köln, das Rheinland und weit darüber hinaus.
Freitag, 4. April, Vormittag: Prof. Schmitz. Leiter der Universitäts- und Stadtbibliothek berichtete zur Geschichte, zum Status und zu den Perspektiven seines „Bücher-Universums”, unterstützt von seinen wissenschaftlichen Mitstreitern. Mich persönlich haben natürlich, naheliegend für einen Buchbinder und mittelmäßig Buchbekloppten, die Vorträge der leitenden Einbandforscherin und eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters der Handschriftenabteilung begeistert.
Freitag, 4. April, Nachmittag: Einladung in das „Haus ohne Eigenschaften” im Kölner Vorort Müngersdorf. Das Haus, ursprünglich als 3. Wohnhaus des weltberühmten Architekten Ungers erbaut, wurde von dem nicht weniger berühmten Kölner Sammler Dr. Speck erworben und beherbergt nun seine Büchersammlungen «Proust» und «Petrarca». Dr. Speck erläuterte seine bemerkenswerten Sammlungen mit dem ihm eigenen Understatement.
Die sich anschließende Besichtigung der Bibliothek Ungers musste ich aus gesundheitlichen Gründen schwänzen.
Samstag, 5. April, Vormittag: Besuch und Besichtigung eines der originellsten Instituten der Kölner Universität, dem Theaterwissenschaftlichen Institut/Philosophische Fakultät. Auch hier, ich darf das mal vorsichtig ironisieren, war allerbeste Ware von großem kulturhistorischem Interesse zu besichtigen. Die Sammlungen sind untergebracht in einem historischen Gemäuer feinster barocker Bauart. Riesige, beeindruckende nicht endenwollende Raumabfolgen und trotzdem Raummangel, denn der Zulauf der angebotenen Archivalien will nicht versiegen, wie der Direktor, Prof. Marx, den staunenden Maximilianern mitteilte.
Samstag, 5. April, Nachmittag: Der bekannte Buchauktionator, Venator & Hanstein hatte zu einem ausgesprochen interessanten Kurz-Seminar zum Thema „Auktionen/Buchauktionen” eingeladen. An der Stelle zu schreiben, dies sei lehrreich gewesen, klingt platter als es in Wirklichkeit war. Das war ein flott gemachter Vortrag von Dr. Knupfer zu einem für Büchersammler einerseits knochentrockenen Thema in bester kapitalistischer Ausprägung, das andererseits für diese Klientel sehr stark emotional beladen ist.
Schlussbemerkung: ich habe vieles gesehen und genossen, ich habe vieles dazugelernt und bin nun wieder ein großes Stück weit mit der kulturellen Szene meiner Heimatstadt Köln versöhnt. Nicht alles ist in diesem gruseligen Loch an der Severinstrasse verschwunden.
Ich werde, so es meine bescheidenen Möglichkeiten erlauben, darauf hinwirken, dass mehr über die global herausragenden kulturellen Werte, die in dieser Stadt existieren, berichtet wird. Was wir allein an Büchern, an Bibliotheken unser Eigen nennen, das sind veritable Leuchttürme, im wahrsten Sinne des Wortes: Leucht-Türme!

Samstag, 8. März 2014

Woody is in da house

Ladies & Gentlemen,
please welcome a new member in vuscors little amateur bookbinding team:

Woody

I ‚shot’ him on ebay last sunday where he stood some days lonely and unnoticed in a badlam of used, rusty, unusable and overestimated things called bookbinding tools. All other bookpresses (who are mostly cast iron and/or odd Copypresses) change owner with phantastic high endprices. So I'm happy with my new press made of massive beech. I cleaned Woody carefully and gave him 4 new screws and a breath of very fine original german „Bohnerwachs”.

Montag, 3. März 2014

Wenn ich einen Garten hätte …

Mein Buchbindefreund Klaus lässt hier eine seiner Schülerinnen das gemeinsam geschaffene Pop-up-Buch präsentieren. Das ist einfach herrlich, wie souverän die junge Dame diese Aufgabe löst. Besonders unter unseren US-amerikanischen Freunden kam die Arbeit sensationell gut an.
Bitte hier klicken: http://klausvonmirbach.blogspot.de/2014/03/wenn-ich-einen-garten-hatte.html

Screenshot

Dagegen kann der altgediente Hobbybuchbinder wahrlich nicht anstinken. Für einen Bookswap habe ich 2009 ein Garten-Album mit dem hinterlistigen Gedanken gebaut, mal so richtig Aufsehen zu erregen. War nix, stille ruhte der See. Ich hätte unbedingt auch eine so gute Präsentatorin gebraucht.

Garden:Memory:Garden; Album 2009


Dienstag, 11. Februar 2014

In ganz eigener Sache:

Heute vor 3 Jahren starb, todkrank, Erla Zillig, geb. Preuschl von Haldenburg. Ich denke oft und gerne an meine intelligente, schöne, elegante und soziale Frau. Und widme ihr dieses leise Zitat: „Ach, es waren schöne Tage als mein Blick an deinem hing. (Florestan)

Sonntag, 29. Dezember 2013

Wiener Papp - Ein Buchbinde-Mythos

Ein ehrwürdiges Handwerk wie die Buchbinderei hat unzählige Wechsel, Umbrüche und Innovationen in seinen Technologien erlebt. Dabei entstanden Mythen, weil Jahrzehnte alte, in Generationen bewährte Werkstoffe, Maschinen oder Werkzeuge auf Nimmerwiedersehen im Buchbinder-Orkus verschwanden. Der eine oder andere Begriff geistert auch heute noch in manchen Köpfen, vor allem in solchen, die sich durch die Fachliteratur der frühen Jahre des 19. und 20. Jahrhunderts wühlen. So begegnete mir schon öfter der Begriff vom „Wiener Papp”. 
Das war nach allem was ich las und in Gesprächen mit alten, erfahrenen Fachleuten erfuhr, ein spezieller Klebstoff, in erster Linie für Leder oder ähnliche Werkstoffe. „Wiener Papp” musste in seinen Anfängen vom Buchbinder selbst hergestellt werden. Bis in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg konnte dieser vielgenutzte Kleber als Pulver oder Granulat käuflich erworben werden. 
In „Wilhelm Leo's Buchbinderkalender von 1921” lese ich voller Staunen und mit einem gewissen Quantum Brechreiz, wie - so kurz nach dem Ende des 1. Weltkriegs - die Buchbinder den vielfach verwendbaren „Wiener Papp” selbst herzustellen hatten, allen damit verbundenen Schrecklichkeiten zum Trotze. Für die jüngeren Leser_innen sei's wiederholt: Die aktuellen Kaltleime und auch haltbaren BuBi-Kleister gab es damals noch nicht. Und der allerseits eingesetzte Warmleim aus tierischem Ausgangsmaterial musste auch gehegt und gepflegt werden. Heutzutage wäre es kein Problem, sog. Fischleim oder auch Hasenleim zu verwenden, denn diesen Leimen haben menschenfreundliche Chemiker den traditionell strengen Geruch abgewöhnt.
Zurück zum „Papp”. Ich zitiere Leo's Kalender, 1921, S. 158, 159. Viel Vergnügen!
»Eines der besten, wenn nicht das beste Klebmittel für Leder usw. ist der sogenannte Wiener- oder Schustrpapp, welcher in jeder Buchbinderartikelhandlung zu haben ist. Derselbe wird 5-6 Stunden in kaltem Wasser erweicht, sodann das übrige Wasser abgegossen und mit einem Stückchen Holz tüchtig verrührt, worauf er gebrauchsfähig ist.« Soweit die Version für den kapitalkräftigen Buchbinder. Nun folgt die Arbeitsanweisung für den sparsamen Selbstversorger:
»Man rührt Gerstenschrot mit heissem Wasser zu einem sehr dicken Brei an und fügt dann in immer kleineren Partien so lange heisses Wasser unter Umrühren hinzu, bis die Masse etwa auf 35-38 Grad Celsius erwärmt ist. Nach einigen Tagen beginnt die Gährung, wobei die Pappmasse ihre körnige Beschaffenheit allmählich verliert und eine gleichmäßige, bräunliche Masse bildet. Um den widerlichen Geruch, welcher sich bei der Gärung des Papps entwickelt, unschädlich zu machen, wird ein einfaches Mittel angegeben, das vortreffliche Dienste leistet.« 
Nun kürze ich ab und schildere mit eigenen Worten, wie der Behälter, in dem die Gährung stattfindet, mit einem speziellen Deckel versehen wird, in dem eine Ofenpfeife eingesetzt wird, welche mit dem Ofenrohr des Werkstattofens mit offener Befeuerung verbunden ist. So konnten trickreich die unsäglich stinkenden Gärungs- und „Faulgase von den „Feuerungsgasen fortgerissen werden”.
Schlussbemerkung von einem, der sich liebend gerne mit verflossener Technik und vergessenem Material befasst und daraus schon viele nützliche Anregungen für den Amateur destilliert hat. Mein alter Buchbindeguru, der hochbetagte Karl-Heins Krons, wurde noch in den später 30er Jahren als Praktikant einer ehedem sehr bekannten Buchbinderei in Köln einmal monatlich  mit den Lehrlingen in den Hof gescheucht. Dort warteten ein paar alten Bütten mit Kleister-/Leim-Wasser und eine alte Presse, um die angefallene Makulatur der Werkstatt zu „Pappe” zusammenzumatschen, äh, Verzeihung, zu pressen. Im Mittelalter und bis zur Erfindung der gegautschten oder gegossenen Pappe, nannte sich das, wissenschaftlich dokumentiert - „Steinpapier”. Heute wundert es mich nicht, dass beim Befeuchten manch alter Pappe dieser ein nervtötender Stank entweicht. Soviel für heute von einem zu Recht verschwundenen mytischen „Buchbinder-Klebstoff”.