Sonntag, 6. Juli 2014

„Haute Couture für Bücher“

Der Liebhaber schöner Bücher und Amateurbuchbinder hat es nicht immer leicht, wenn er weniger geneigten oder auch rein digital orientierten Menschen erläutern soll, wieso, weshalb, warum ein schönes Buch etwas Besonders ist. Als zukünftige Argumentationshilfe hatte ich gestern die gebundene Ausgabe des Ausstellungskataloges der Württembergischen Landesbibliothek „Haute Couture für Bücher“, 1000 Jahre Einbandkunst […] in der Post. Heute früh ausgepackt und zum Frühstückstee aufgeschlagen, durchgeblättert und erstmal nur die formidablen Abbildungen bewundert, möchte ich zu diesem Buch völlig bescheiden dies sagen: „Es machte meinen Sonntagmorgen!”
Das Hardcover-Buch (2. verbesserte Auflage) im Format 21,5 x 32 cm, 148 S., durchgehend großformatig farbig bebildert, ist ein Hochgenuss, weil jedes Detail stimmt — jedes Detail! Mich haben vor allem die hervorragenden Repros und der erstklassige Druck beeindruckt. Alles lesen konnte ich noch nicht, bin jedoch zuversichtlich, dass auch der Text mich erfreuen wird, sind mir doch verschiedene der Autorinnen/Autoren persönlich oder ihre Texte zum Thema Buch bekannt.
Meine Empfehlung: „Ladies & Gentlemen: Expand your Bookshelf”. Was recht einfach ist, kostet das Buch incl. Versand in Deutschland schlanke 20,—. Eine lohnende Investition.
Hier noch ein paar Infos zur verflossenen Ausstellung (Leitung: Dr. Vera Trost):
[ Zitat ]
„Gemäß der Art und Herkunft der Einbände werden folgende Bereiche präsentiert:
Elfenbein, Gold, Farben, Horn 
Lederschnitt und Blindprägung 
Goldprägung 
Pergament, Papier, Samt, Seide, Stroh und Metall 
Armenische, äthiopische, hebräische und islamische Einbände 
Einbände des Hölderlin-Archivs 
Moderne Buchkunst 
Sammlung Ernst Kyriss 
Sammlung Max Hettler 
Die Einbandsammlung Gotthilf Kurz ”
[Zitatende]
Ein besseres Bild hab ich nicht,
ich will das  feine Buch auch nicht auf den Scanner zwängen,
deshalb hier nur das frech beim Aussteller entliehene Poster.

Montag, 9. Juni 2014

Edel ist ein Pappband …

The Pressbengel Project: Exploring German bookbinding traditions and more...: Millimeter Binding (Edelpappband): The German-style millimeter binding (Edelpappband) is the "ennobled" version of the paper-covered case binding and should not be …

Mir, dem gelehrigen Schüler eines wahrhaft deutschen BuBi-Gurus (Jahrgang 1925) war jahrelang nicht bewusst, welch edle, global gültige Bindetechnik ich da erlernt hatte. Während meiner Jahre in der Behindertenwerkstatt habe ich mit meinen KollegInnen dort täglich ein oder mehrere Dutzend Pappbände produziert, vor Weihnachten durften es auch schon mal über 100 Stück am Tag sein. Pappband und Bradel-Band waren mir Alltag und keines besonderen Nachdenkens wert.

Doch nachdem ich im „Selbststudium” und/oder unter Anleitung guter Buchbinder aus aller Herren Länder einige andere Techniken gelernt und angewendet habe, stelle ich heute theatralisch fest: Verachte mir den (Edel-)Pappband nicht, denn er ist schnell und gut erlernbar, die Werkstücke können zeitnah fertiggestellt werden, ein solches Buch ist sehr schön und individuell zu gestalten und, wenn der Bezug von guter bis exzellenter Qualität ist, habe ich ein Werkstück mit langer Haltbarkeit angefertigt.

Und heute finde ich diese kleine Publikation zum Thema. Das freut mich sehr. Und ich hoffe, dass es Peter Verheyen gelingt, immer mehr Buchbinder zum ‚Edelpappband’, vulgo ‚Millimeterband’ zu bekehren.


»Edel sei der Band, pappreich und gut« :D

Dienstag, 20. Mai 2014

This is to inform you …

Ja, ich bin im Moment schweigsam, weil ich intensiv damit beschäftigt bin, ein Werkverzeichnis der künstlerischen Arbeiten meines verstorbenen Freundes Jörg Czischke zu erstellen. Und wie es immer in Projekten dieser speziellen Güteklasse ist: „Unverhofft kommt oft!”

Darüber hinaus bereite ich mich auf eine Reise nach Weimar (Ausstellung Cranach-Presse) und Leipzig (Ausstellung Bugra 1914) vor. Darüber hinaus kenne ich Erfurt und Gotha noch nicht. Aus persönlichen Gründen und weil die Woche kurz ist, muss ich sorgfältig planen. Und dann gibt es da etwas, das mich bis zum feuerroten Zorn aufregt. Auch diesmal, es ist immerhin der vierte Anlauf in 7 Jahren, ist es mir nicht gelungen, die Betonköpfe in der Bibliothekszugangzuteilungshauptabteilung der Anna-Amalia-Bibliothek zu bewegen, mich für ein paar Minuten in den sog. Rokoko-Saal zu lassen. Ich bin überzeugt, dass es leichter ist, beim Papst in Rom eine Privataudienz zu bekommen, als eine der kontingentierten Karten in Weimar zu ergattern. Meldest du dich, wie gewünscht, per eMail an, kriegste stehenden Fußes eine vorformulierte, vollautomatische Absage und den Hinweis darauf geschickt, am Tag des Besuches ab 9.30 h eine der „frei verfügbaren” Kontingentkarten zu erwerben. Stehste schon vor 9.00 h (wie zwei mal geschehen) mit einigen wenigen MitinteressentInnen an, sind beim Öffnen der Kasse angeblich keine Karten mehr vorhanden. In einigen Teilen von Thüringen scheint das gefürchtete Bückwarenkonzept der versunkenen Ostrepublik nach wie vor zu funktionieren. Schaunmermal. Ich werde berichten.

Mittwoch, 16. April 2014

Kästner in Farbe

Erich Kästner · Textbuch für Kindertheater


Also ja, manchmal lasse ich mich durch die Sonderwünsche meiner Freund_Innen und bestimmte Signale aus deren nonverbalem Kommunikationsrepertoire von meinem geliebten Kärglichkeitsdesign beim Buchbinden abbringen. So auch hier, denn dieses Inselbücherei-inspirierte Büchlein möchte A. ihrem (platonisch) geliebten Prof verehren. Das sollte ursprünglich kopiert, gelocht und in einen Hefter wandern und dann einem Ästheten verehrt werden? (grusel). 
Nun kommt es also kopiert, gelumbeckt und als Millimeterband glutig rot und leiden-schaft-lich pink daher. Das Marmorpapier stammt aus Indien. Der Regentstreifen, der lange in einer Restekiste schlummerte, kommt doch dazu richtig gut, oder? Machte mich schön schwindelig! ;)

Sonntag, 6. April 2014

Ohne weitere Worte



Herein, wenn's kein Schneider ist!
Oder: Vorsicht, Kunde droht mit Auftrag!

Vom kölnischen Patriotismus

Als relativ neues Mitglied der Bibliophilen-Vereinigung „Maximilian-Gesellschaft” habe ich natürlich die diesjährige Hauptversammlung des Vereins in Köln als einmalige Chance genutzt, meinen ziemlich beschädigten Patriotismus als Kölner Bürgen aufzupolieren. Auf dem Maximilian-Ticket unterwegs, konnte ich - zusammen mit den Gleichgesinnten - einige von den Kölner Bibliotheken besichtigen, was schreibe ich, bewundern, die sich sonst hinter strenger Wissenschaftlichkeit und unüberwindlichen Panzertüren ins Dunkel der Serösität zurückziehen. Aus der Arbeit, die in diesen Instituten der unterschiedlichsten Ausrichtung geleistet wird, ernährt sich zu einem noch zu bestimmenden Teil das restliche positive kölnische Image.
Donnerstag, 3. April: Am Nachmittag folgten wir der Einladung in die Kölner Diözesan-Bibliothek. Der Direktor, Prof. Finger, präsentierte einige seiner Schätze. Das waren, bis auf eine Ausnahme, Handschriften, Bücher von unvorstellbarem kulturellen Wert für Köln, das Rheinland und weit darüber hinaus.
Freitag, 4. April, Vormittag: Prof. Schmitz. Leiter der Universitäts- und Stadtbibliothek berichtete zur Geschichte, zum Status und zu den Perspektiven seines „Bücher-Universums”, unterstützt von seinen wissenschaftlichen Mitstreitern. Mich persönlich haben natürlich, naheliegend für einen Buchbinder und mittelmäßig Buchbekloppten, die Vorträge der leitenden Einbandforscherin und eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters der Handschriftenabteilung begeistert.
Freitag, 4. April, Nachmittag: Einladung in das „Haus ohne Eigenschaften” im Kölner Vorort Müngersdorf. Das Haus, ursprünglich als 3. Wohnhaus des weltberühmten Architekten Ungers erbaut, wurde von dem nicht weniger berühmten Kölner Sammler Dr. Speck erworben und beherbergt nun seine Büchersammlungen «Proust» und «Petrarca». Dr. Speck erläuterte seine bemerkenswerten Sammlungen mit dem ihm eigenen Understatement.
Die sich anschließende Besichtigung der Bibliothek Ungers musste ich aus gesundheitlichen Gründen schwänzen.
Samstag, 5. April, Vormittag: Besuch und Besichtigung eines der originellsten Instituten der Kölner Universität, dem Theaterwissenschaftlichen Institut/Philosophische Fakultät. Auch hier, ich darf das mal vorsichtig ironisieren, war allerbeste Ware von großem kulturhistorischem Interesse zu besichtigen. Die Sammlungen sind untergebracht in einem historischen Gemäuer feinster barocker Bauart. Riesige, beeindruckende nicht endenwollende Raumabfolgen und trotzdem Raummangel, denn der Zulauf der angebotenen Archivalien will nicht versiegen, wie der Direktor, Prof. Marx, den staunenden Maximilianern mitteilte.
Samstag, 5. April, Nachmittag: Der bekannte Buchauktionator, Venator & Hanstein hatte zu einem ausgesprochen interessanten Kurz-Seminar zum Thema „Auktionen/Buchauktionen” eingeladen. An der Stelle zu schreiben, dies sei lehrreich gewesen, klingt platter als es in Wirklichkeit war. Das war ein flott gemachter Vortrag von Dr. Knupfer zu einem für Büchersammler einerseits knochentrockenen Thema in bester kapitalistischer Ausprägung, das andererseits für diese Klientel sehr stark emotional beladen ist.
Schlussbemerkung: ich habe vieles gesehen und genossen, ich habe vieles dazugelernt und bin nun wieder ein großes Stück weit mit der kulturellen Szene meiner Heimatstadt Köln versöhnt. Nicht alles ist in diesem gruseligen Loch an der Severinstrasse verschwunden.
Ich werde, so es meine bescheidenen Möglichkeiten erlauben, darauf hinwirken, dass mehr über die global herausragenden kulturellen Werte, die in dieser Stadt existieren, berichtet wird. Was wir allein an Büchern, an Bibliotheken unser Eigen nennen, das sind veritable Leuchttürme, im wahrsten Sinne des Wortes: Leucht-Türme!