Sonntag, 7. September 2014

Mehr Pappbände - wie versprochen

Diese kleinen Texte von und über Sören Kierkegard, die 1903 bis 1905 erstmals in deutscher  Sprache erschienen, erwarb der Vater meiner Frau als Abiturient (Jahrgang 1903), um sich auf seine ‚Matura’ vorzubereiten. Er kaufte die zeittypischen flott mit einem Faden zusammengehefteten Broschuren, die mit ein-zwei Leimstrichen in ein fürchterlich wabbeliges Papier eingeschlagen waren und - falls Geld vorhanden - danach schrieen, ‚ordentlich’ eingebunden zu werden. Zwischen edlen antiquarischen Erbstücken hatten sie überlebt. Ich habe mir die Freude gemacht und sie als kleine Serie in Tanja Karipidis Kleisterpapier einzubinden und in einem Maschinenbütten-kaschierten Schuber nebeneinander zu stellen.
Das nächste Projekt, ein ca. 9 cm dickes, arg gerupftes, ramponiertes Profi-Kochbuch „Wiener Küche” kommt dann wieder in Naturleinen.
Vier kleine Pappbände eingebunden
 in Karipidis-Haute-Couture-Kleister-Papier

Samstag, 30. August 2014

Ein Pappband - ein paar werden noch folgen

Siegfried Büge - Der Pappband (Reprint)
Siegfried Büge - Der Pappband - lässt sich ohne weiteres in eine Reihe von Standardwerken für Buchbinder und Buchkünstler einreihen. Meiner wurde als Reprint gekauft. Der Text zeigt ein knackscharfes Druckbild, die fotokopierten SW-Abbildungen der Ur-Ausgabe zum Selbstausschneiden kann man getrost ignorieren, die sind für die Tonne, weil so gut wie nichts zu erkennen ist. Die gefalzten Rohbögen habe ich mir als klassischen Pappband, meinetwegen auch als Millimeterband, eingebunden. Die Etikettchen wurden wischfest auf hellgraues Bütten tintenstrahlgedruckt.
Das Marmorpapier für den Einband stammt von einem Buntpapierkünstler aus Bonn (René M. Salmen), der souverän marmoriert hat sowie hervorragende Kleisterpapiere kreiierte. Leider war schon vor Jahren damit Schluss, was nicht nur ich sehr bedaure. Auf traurige drei Bögen ist der ursprünglicher Bestand geschrumpft.
Schließlich: Leute, macht mehr Pappbände. Nix gegen Leder, Seide, Leinen usw. – Papier ist doch viel geduldiger.

Dienstag, 26. August 2014

Ein paar karge Zeilen über Vorbilder

Wer als Amateur-Buchbinder behauptet, sich alles selbst beigebracht zu haben, dem glaube ich nicht wirklich. Nach ein paar Minuten Fachsimpeln oder nach wenigen bewundernden Blicken auf allfällige Arbeitsproben findet sich oft die/der „Lehrmeister/in”, denn diese hinterlassen ihre Spuren bei ihren Jüngern. Wir alle haben unsere tätigen Vorbilder. Davon habe ich vier, denen ich beim Arbeiten zuschauen und, so bin ich halt gestrickt, richtig was lernen konnte. Ex-cathedra-Verkünder lösen bei mir umgehend einen Schlafreflex aus, wecken Widerstand und Widerwillen.
Heute bekomme ich den Hinweis auf meinen (im zeitlichen Ablauf gesehen) zweiten Lehrmeister, Roger Green in Wuppertal. Dieser Buchbinder ist genau nach meinem Geschmack, denn er ist  unideologisch und lösungsorientiert. In seiner Werkstatt zu arbeiten macht Riesenspass.
https://www.youtube.com/watch?v=y--XPNywx80#t=244
Mein allererster Buchbinde-Instruktor, Karl Heinz Krons, war studierter Pädagoge und Kunsthistoriker, Gewerbelehrer (Jahrgang 1926). Er hat mir und vielen anderen das Buchbinden beigebracht. Von ihm habe ich einige Tricks gelernt, die er, aus der Not der Kriegsjahre heraus, sich selbst erarbeitet hatte. Seine Volkshochschulkurse in Köln waren legendär. Krons dumont-Kunsttaschenbuch „Gestalten mit Papier” sei allen wärmstens empfohlen, die mit Papier kreativ arbeiten wollen. Es sind immer mal wieder sehr günstig antiquarische Exemplare für kleines Geld zu haben.
Und Jeff Peachey aus NYC, von dem ich in Montefiascone lernte, wie vor der französischen Revolution Bücher gebunden wurden, die, ordentlich behandelt, heute noch voll funktionstüchtig und ästhetisch ansprechend sind. Er hat das vielfach verschüttete Wissen dieser Zeit, als von Buchbinde-Maschinen und maschinell hergestelltem Papier noch keiner zu träumen wagte, revitalisiert. Das hat mir imponiert. Ich habe viel von ihm gelernt.
Und schließlich mein Freund Eberhard Maurer, der mir Mut machte, mein Wissen und Können in der von ihm geleiteten Behindertenwerkstatt an seine verwaiste Handbuchbindergruppe weiterzugeben. Von ihm habe ich gelernt, dass man mit Geduld und Respekt den Menschen, die im Alltag und im Umgang mit Anderen ihre Schwierigkeiten und Probleme haben, das Buchbinden nahebringen kann und zwar so nahe, dass ihre Arbeitsergebnisse im Wirtschaftsleben bestehen können.

Freitag, 15. August 2014

Neues Schreibbuch : Einband war mal Weinkarton

Nach dem Sport trinken meine Freunde und ich unseren wohlverdienten Kaffee in einem italiänischen Supermarkt in Köln-Mühlheim. Dort fand ich in dem Regal, wo die leeren Embalagen zwischengelagert werden, einen typografisch höchst nobel gestalteten Weinkarton. Diesen habe ich für eine viertel Stunde in einem Eimer Wasser mit ein paar Tropfen Spülmittel eingeweicht und dann die Deckschicht der (Schwer-)Well-Kartonage vorsichtig abgelöst, plano getrocknet und unter Steinen geglättet. Alles ganz easy. Dieses Material ließ sich ähnlich gut kaschieren wie ein gutes Natronpapier. Buchblock und Vorsatz stammen aus der Eifel und heissen Römerturm. Den Buchblock habe ich aus elfenbeinfarbenen Abschnitten, die ich einem Drucker entreissen konnte, bevor sie im Altpapier ihr Leben aushauchen. Die im Foto nicht zu erkennenden Kapitale habe ich mit auf Null ausgeschärftem Lammleder und zwei Papierröllchen selbst gefummelt (!). Das Blankbuch hat ca. 160 Seiten, Format ca. 18x24 cm.
Wer die Idee mit den abgelösten Kartonagen hatte,
weiss ich nicht mehr, ich hab den Link verbummelt.
War das vielleicht Mark Cockram?
Für zweckdienliche Hinweise danke ich recht sehr.

Sonntag, 6. Juli 2014

„Haute Couture für Bücher“

Der Liebhaber schöner Bücher und Amateurbuchbinder hat es nicht immer leicht, wenn er weniger geneigten oder auch rein digital orientierten Menschen erläutern soll, wieso, weshalb, warum ein schönes Buch etwas Besonders ist. Als zukünftige Argumentationshilfe hatte ich gestern die gebundene Ausgabe des Ausstellungskataloges der Württembergischen Landesbibliothek „Haute Couture für Bücher“, 1000 Jahre Einbandkunst […] in der Post. Heute früh ausgepackt und zum Frühstückstee aufgeschlagen, durchgeblättert und erstmal nur die formidablen Abbildungen bewundert, möchte ich zu diesem Buch völlig bescheiden dies sagen: „Es machte meinen Sonntagmorgen!”
Das Hardcover-Buch (2. verbesserte Auflage) im Format 21,5 x 32 cm, 148 S., durchgehend großformatig farbig bebildert, ist ein Hochgenuss, weil jedes Detail stimmt — jedes Detail! Mich haben vor allem die hervorragenden Repros und der erstklassige Druck beeindruckt. Alles lesen konnte ich noch nicht, bin jedoch zuversichtlich, dass auch der Text mich erfreuen wird, sind mir doch verschiedene der Autorinnen/Autoren persönlich oder ihre Texte zum Thema Buch bekannt.
Meine Empfehlung: „Ladies & Gentlemen: Expand your Bookshelf”. Was recht einfach ist, kostet das Buch incl. Versand in Deutschland schlanke 20,—. Eine lohnende Investition.
Hier noch ein paar Infos zur verflossenen Ausstellung (Leitung: Dr. Vera Trost):
[ Zitat ]
„Gemäß der Art und Herkunft der Einbände werden folgende Bereiche präsentiert:
Elfenbein, Gold, Farben, Horn 
Lederschnitt und Blindprägung 
Goldprägung 
Pergament, Papier, Samt, Seide, Stroh und Metall 
Armenische, äthiopische, hebräische und islamische Einbände 
Einbände des Hölderlin-Archivs 
Moderne Buchkunst 
Sammlung Ernst Kyriss 
Sammlung Max Hettler 
Die Einbandsammlung Gotthilf Kurz ”
[Zitatende]
Ein besseres Bild hab ich nicht,
ich will das  feine Buch auch nicht auf den Scanner zwängen,
deshalb hier nur das frech beim Aussteller entliehene Poster.

Montag, 9. Juni 2014

Edel ist ein Pappband …

The Pressbengel Project: Exploring German bookbinding traditions and more...: Millimeter Binding (Edelpappband): The German-style millimeter binding (Edelpappband) is the "ennobled" version of the paper-covered case binding and should not be …

Mir, dem gelehrigen Schüler eines wahrhaft deutschen BuBi-Gurus, Karl Heinz Krons (Jahrgang 1926), war jahrelang nicht bewusst, welch edle, global gültige Bindetechnik ich da erlernt hatte. Während meiner Jahre in der Behindertenwerkstatt habe ich mit meinen KollegInnen dort täglich ein oder mehrere Dutzend Pappbände produziert, vor Weihnachten durften es auch schon mal über 100 Stück am Tag sein. Pappband und Bradel-Band waren mir Alltag und keines besonderen Nachdenkens wert.

Doch nachdem ich im „Selbststudium” und/oder unter Anleitung guter Buchbinder aus aller Herren Länder einige andere Techniken gelernt und angewendet habe, stelle ich heute theatralisch fest: Verachte mir den (Edel-)Pappband nicht, denn er ist schnell und gut erlernbar, die Werkstücke können zeitnah fertiggestellt werden, ein solches Buch ist sehr schön und individuell zu gestalten und, wenn der Bezug von guter bis exzellenter Qualität ist, habe ich ein Werkstück mit langer Haltbarkeit angefertigt.

Und heute finde ich diese kleine Publikation zum Thema. Das freut mich sehr. Und ich hoffe, dass es Peter Verheyen gelingt, immer mehr Buchbinder zum ‚Edelpappband’, vulgo ‚Millimeterband’ zu bekehren.


»Edel sei der Band, pappreich und gut« :D