Mittwoch, 8. Oktober 2014

Zick-zack-Vorsatz nach Ignatz Wiemeler und Cobden-Sanderson

Dank einer großherzigen Schenkung (Danke, Peter!) bin ich nun im Besitz einer kleinen Publikation des Autors Helmut Presser, 1953 für die Mitglieder der Maximilian-Gesellschaft herausgegeben, rund ein Jahr nach dem frühen Tod des wohl besten deutschen Buchbinders, Ignatz Wiemeler. 1990 folgte dann ein umfangreiches und schön bebildertes Werkverzeichnis, geschrieben von Kurt Lodenberg, aus der gleichen Quelle. Beide Bücher sind mir ein schöner Lesestoff, unter anderem auch, weil die teils sehr fein gestalteten Lederbände von Wiemeler hervorragend abgebildet wurden. Dass bei den Veröffentlichungen einer Bibliophilen-Gesellschaft Schriftbild, Druck und Einband erste Güte sind, lasse ich mal so stehen.
Im kleinen buckram-bewehrten Bändchen von 1953, verziert mit einer zarten goldenen Rückenprägung, finde ich die Abbildung für eine - in meinen Amateuraugen - aufwändige Vorsatzlösung und ein Stück Text aus der Feder von Wiemeler, mit der er begründet, warum dieses  Vorsatz-System von Cobden-Sanderson besser ist, als das eingeleimte, gefalzte Blatt, wie ich und wie viele andere es gelernt haben.
Ich habe dazu zwei Fragen: Wer von den Buchbinde-Freundinnen und-Freunden hat schon mal solch eine aufwändige Zick-Zack-Konstruktion angewendet? Wer weiss, wo es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zu finden gibt (print oder online), die ein Dummy wie ich einer bin, mal in Ruhe anschauen und nachvollziehen kann?

Der Vorsatz unten ist gemeint.
Iich hab das System noch nicht durchschaut.
Und das schrieb Ignatz Wiemeler dazu:Die Art, den Vorsatz anzubringen, ist von großer Bedeutung. Eine Verstärkung mit Pergamentstreifen, wie wir sie von Grolier-Bänden kennen, ist in der Tat sehr dauerhaft, behindert jedoch die Beweglichkeit der Deckel. Bei einer einfacheren und häufig angewandten Vorsatzart wird das Papier, zuweilen auch ein Lederfalz oder eine Leinenverstärkung um den Rücken der ersten Lage gehängt. Dieses Verfahren hat folgen­den Nachteil: Die durch das Öffnen der Deckel verursachte Spannung wirkt sich auf die erste Lage aus und der kleine Falz, der zwischen der ersten und zweiten Lage ein­ geklebt werden muß, verhindert, daß die Seiten, an die er angeklebt ist, sich weit genug öffnen lassen. 
Diese Nachteile lassen sich durch den ausgezeichneten von Cobden­-Sanderson angewandten Zickzackvorsatz vermeiden. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen darin, daß die vom Deckel ausgehende Spannung in einem schmalen W-förmigen Zickzackbruch aufgefangen wird, und daß auch verstärkende Leder- und Leinen­streifen angebracht werden können, ohne daß sie unerwünschte Versteifungen bilden. Dieser Zickzackvorsatz besteht aus einer Lage für sich, die beiderseitig eingeheftet wird und mit einem Leinen- oder Japanpapierfalz mit der ersten Lage des Buchblocks verbunden werden kann.”

Kommentare:

Christian hat gesagt…

Hallo Peter, so schwer ist das nicht. Ich schau am Wochenende mal in meine Literatur oder mach Dir eine eigene Zeichnung und/oder ein Muster.
Gruß Christian

pzillig | vuscor hat gesagt…

Danke, Christian, schon mal im voraus. Ich bin gespannt und geduldig :D

Horst Seehofer hat gesagt…

Hallo Peter,
In Fachwissen des Buchbinders von Heinrich Lüers steht auf S. 100 eine Beschreibung des Zickzackvorsatzes mit Skizze