Sonntag, 27. Februar 2011

No. 01 : Bound a book for the love of … ja, wie heisst „beraufter Buchblock” auf englisch?

Alles in allem bin ich o.k. und ich habe das Buchbinden nicht verlernt. Und jetzt möchte ich schrittweise zurück an die Arbeit. Erste Fingerübung war dieses Edelpappbändchen.

Schon seit längerem lag da das freundliche Geschenk (Alan Bennett - The Uncommon Reader) meines beruflich vielfliegenden Neffen auf dem Tisch. Ein in doitschen Landen unübliches Promotionsgeschenk eines Verlages, Motto: Kauf einen meiner Stapelkrimis, dann schenk ich dir was ordentliches dazu. Der Krimi ist schon weitergewandert (Vorsicht, freilaufende Bücher!), doch das Promo-Büchlein habe ich neu eingekleidete.
Denn das ihm zugewiesene Äußere, eine hochglanzlaminierte dünne Wappelpappe gefiel mir gar nicht, vor allem, weil der Buchblock berauft (!), also nicht beschnitten war und es nach der Bearbeitung auch noch ist. Nun strahlt die angelsächsische Novelle in einem Edelpappband bester hiesiger Qualität mit Tanjas handgemachtem Kleisterpapier im Traditionsdesign, versehen mit kleinen Lederstegen über ‚head & tail’ sowie winzigen Lederecken, handgemachtem Kapital, klassischem Vorsatz aus Roemerturm und einem tintenstrahl-bedruckten neuen Titelschild. Ich denke, das Bändchen wird sich zwischen meinen  Inselbüchern wohlfühlen.

 

Sonntag, 13. Februar 2011

IN MEMORIAM

Was ich habe, will ich nicht verlieren,
wo ich bin, will ich nicht bleiben,
die ich liebe, will ich nicht verlassen,
wo ich lebe, will ich nicht sterben,
wo ich sterbe, will ich nicht hin:
Bleiben will ich, wo ich nie gewesen.
(Thomas Brasch)






Erla  Zillig
geb. Preuschl von Haldenburg
Am 11. Februar 2011, einen Tag nach ihrem 67. Geburtstag,  ist meine großartige Erla ruhig eingeschlafen. Sie wurde von schweren Leiden und starken Schmerzen erlöst, die sie über so lange Zeit tapfer und mit großer Würde ertragen hat. Im tiefen Frieden mit sich und allen ihr Nahestehenden hat sie diese Welt für immer verlassen. 

Sonntag, 6. Februar 2011

Mit dem Kopf durch die Wand?

So pflegte mein alter Buchbinde-Guru Karl-Heinz Krons leise nachzufragen, wenn wir gelegentlich im Kurs etwas ‚eigenes’, kreatives oder sonstwie ungewöhnliches produziert hatten, welches dann aus uns gehobenen Anfängern unerfindlichen Gründen schiefgegangen war. Akzent liegt hierbei auf ‚schief’!
Als Mitglied einer Arbeitsgruppe habe ich mitgeholfen, das nachgelassene Oeuvre meines verstorbenen Künstlerfreundes Jörg Czischke in seinen Grundzügen aufzuarbeiten, um es einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Czischkes wichtigste Werke und einige Ephemera wurden reproduziert, als Digitaldrucke auf kartonstarkem Bilderdruck produziert und in einer interessanten, neugierig machenden Archivmappe für Freunde, Journalisten, Galeristen, Archive zusammengestellt.  Schließlich war der Mann, zusammen mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau, Margarethe Sabata, in der Kölner Kunstgemeinde der 60er und 70er Jahre aktiv unterwegs. Danach zog Jörg sich wegen einer schweren Erkrankung fast völlig aus der Öffentlichkeit zurück. (Anmerkung: Die Website wird im Laufe des Jahres aktualisiert.)
Weil ich a) ein Sturkopf und b) ein Buchbinder bin, habe ich mir (jetzt kommt das Colophon) die Seiten der Info-Mappe auf 120 g Bilderdruck ausprinten lassen, gelumbeckt, mit 3F-Gaze stabilisiert, Römerturm-Vorsatz geklebt, den Einband mit geradem Rücken aus 2mm-BuBi-Pappe und Kraftpapier gebaut und mit Original-Malertuch (von boesner) bezogen, das ich vor dem Kaschieren einmal mit einem matten Akryllack überpinselt habe.
Dann bekam der Einband eine identische Blindprägung wie die Original-Archiv-Info-Mappe, was keine Kunst war, denn ich habe nur diese eine Groteske. Ich hätte keine andere Type nehmen können, war Czischke doch in seinem beruflichen Vorleben ein präziser Typograph, gelernter Setzer.
Kopf durch die Wand, zum Ersten? Ja, ich musste feststellen, dass Malertuch (Leinwand) sich als Bezug nicht gut eignet, denn das Material zieht sich wie Strudelteig, trocken ebenso wie nass, das Zeug reagiert unberechenbar. Mein 2. Exemplar ist so verzogen, das gehört in die Tonne. Es taugt gerade mal dazu, das handgefertigte Kapitalbändch zu zeigen.
Kopf durch die Wand, zum Zweiten? Ja, dieses technisch hochbrilliante Bilderdruckmaterial für die Digitalkopien wird im Lumbeckrücken ziemlich steif und es knirscht hörbar, wenn man den Block zum ersten Mal öffnet. Da muss ich also bei weiterem Vorkommen noch üben.
Kopf durch die Wand, zum Dritten? Ja, mit einer zusammengestoppelten Fotoausrüstung eine Blindprägung auf einer fast weissen Fläche zu dokumentieren, ist auch kein wirkliches Vergnügen.
Aber schauen Sie selbst.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Buchbinden : Samuel Pepys als Initialzünder

Ach wie schön ist JEDER Besuch auf Samuel Pepys Website :: http://www.pepysdiary.com/ :: Und ja, ich habe natürlich nach „bookbinding” und anverwandten Stichworten gesucht und diesen Eintrag gefunden. Der ist nicht neu, ziemlich bekannt, aber deshalb nicht weniger motivierend zu lesen: „After that to a Bookseller's and bought for the love of the binding three books.” - Diary, May 15, 1660. Und auch das ist zum alten Pepys bekannt, seine Bibliothek und seine Lesewut müssen uferlos gewesen sein.
Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen, gelegentlich ein wenig nach seinem Diktum „for the love of the …” zu bloggen, wobei die Pünktchen halt von mir frei und intuitiv ersetzt werden. Hier und heute, noch im alten Jahr, der erste Versuch.

No. 0 :  Bound a book for the love of a „Sprenkel-/Kiebitzpapier”.



Genauer gesagt, ich fand Tanja Karipidis Kleisterpapier im Vogelei-Desing „Singdrossel” als Vorsatz so ansprechend, dass ich mir dieses Blank-Buch drumherum gestaltet habe. Den Buchblock habe ich (leider) aus einem Rest von weniger begnadetem Offsetpapier (8 Lagen á 16 Seiten) auf 3 Bänder geheftet. Das Einbandmaterial ist ein amselschwarzes Regentleinen über einer 1,5 mm Graupappe und die handgefummelten Kapitalbändchen sind in Amselschnabel-Gelb-Orange gehalten.

Montag, 27. Dezember 2010

Neujahrsgrüsse : New Years Greetings

Liebe Freundinnen & Freunde!
Fröhliche Neujahrsgrüsse aus Köln:


All the best for the New Year 2011!

Montag, 29. November 2010

Buntpapier : Emil Kretz

Die einigermaßen übersichtliche Zahl aktueller Literatur zum Buchbinden, seiner anverwandten Techniken und begleitenden Materialien betreffend, lässt eine Neuerscheinung eigentlich nicht unentdeckt, sollte man meinen. Mein Freund Eberhard berichtete von einem Büchlein aus dem Buntpapierverlag, Hamburg, das er auf der BuBi-Messe in Köln erworben hatte und das mir völlig unbekannt geblieben war, weil ich wohl nicht zu dem Kreis der Gesalbten gehöre, denen das kleine Werk angeboten worden ist.
Im Laufe der Jahre und des Sammelns, will sagen ‚Aufhäufelns’ einschlägiger Literatur, habe ich nach der Schilderung nicht sofort meinem Habenwollen-Impuls nachgegeben, sondern das Buch ausgeliehen. Alle Verlagsdetails :: hier ::
Das Buch, minimal größer als die bekannten Insel-Bücher, kommt in nummerierter, limitierter Auflage mit 57 (2) S, gedruckt auf feines mattes Offset, erstklassig typografiert, zweisprachig deutsch/englisch, handgebunden, farbiges Vorsatz, vom Stein gedrucktem Bezugspapier, mit Abbildungen und eingeklebten Musterblättchen, usw. usw. Es ist ein sehr schönes Pappbändchen, an dem auch der nörgeligste Beschauer nichts auszusetzen hat, das dem Schaffen des in der Schweiz wohlbekannten Buchbinders, Ausbilders und Buntpapiermachers Emil Kretz gewidmet ist.
Soviel zum Sammelobjekt.
Lese ich mir dann die Wiedergabe seiner Arbeitstechniken zu den „Kleisterbatik-Papieren” durch, die mich zugegeben mehr interessieren als die Verehrung des fast vergessenen Meisters, bin ich auch sehr angetan, denn ich kann seinen komplizierten, Tage dauernden Herstellungsprozess gut nachvollziehen: Bestes Papier, frischen Weizenstärkenkleister, klar oder leicht getönt, Modeln bzw. handgeschnitzte Rollen mit einer einfachen Abrolltechnik, verdünnte Ölfarben und, viel Wasser zum Abwaschen des getrockneten Kleisters und noch mehr Zeit zum trockenen der Farbe. Es fehlt auch nicht der Hinweis auf die alternative Einfärbung mit verdünnter Tusche für jene (wie mich), denen die Verdünnungschemie zuwider ist.
Emil Kretz ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, dem in unserem Kulturkreis entstandenen und liebevoll gehegten Pappband mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die dafür nötigen Bezugspapiere zeitgemäß zu gestalten und haltbar herzustellen, ohne dem oftmals tümelnden, altmodischen Design-Empfinden der Buchbinder-Generationen der 30er, 40er und 50er Jahre nachzulaufen, bzw. sich aus Bequemlichkeitsgründen fertige Ware aus Italien oder aus Nepal einzukaufen. Für meinen Teil muss ich mir jetzt etwas ausdenken, was ich auch auf ca. 1,2 qm beheiztem Arbeitsplatz und ca. 2 qm unbeheizbarem Arbeitsplatz im Keller umsetzen kann. Das würde spannend, meint meine weitaus bessere Hälfte.

Montag, 22. November 2010

Buchbinden : Sparsam sei der Buchbinder …

… und unerschrocken in der Wahl seiner Mittel
Feines Werkzeug liebe ich sehr, manchmal auch so sehr, dass ich für einzelne Teile ‚Schulden’ gemacht habe. Weil ich, buchbindermäßig gesehen, nahezu alles besitze, was gut, nützlich und, ja, teuer ist, beschränke ich mich in den letzten Jahren darauf, mehr über Werkzeugschätzchen zu lesen als sie zu kaufen. Eine der schon öfter zitierten Quellen meiner geheimen Lüste ist der  blog von Jeff Peachey. Der Mann ist nicht nur ein erstklassiger Buchbinder, akademisch vernetzter Buch-/Papierrestaurator, Werkzeug-Historiker (im tiefen Sinne des Begriffes), sondern auch ein in Fachkreisen bekannter Hersteller von feinen und feinsten Buchbinder-Werkzeugen.
Sein letzter post beschäftigt sich mit klassischen ‚Heftladen’
Er hat die gängigsten, online zu erwerbenden Modelle, recherchiert und die Hinweise mit Links versehen. Dort kann sich der Material-Ästhet richtig austoben; ich sage nur Shaker-Qualität. Es bestätigt sich auch hier mein Vorurteil, dass ich in USA alles, wirklich alles kaufen kann, selbst das, was sich in Deutschland nur noch schwer oder gar nicht beschaffen lässt: Werkzeug der Marken ‚Kaufen und Wegschmeissen’, ‚Bewährte Industrie-Qualität’ und ‚Fantastisch/unübertrefflich Handgemachtes’.
Ich hingegen schäme ich dreifach: Ich nutze meine Heftlade noch nicht einmal als Dekostück, sie lebt staubsicher im Dachgeschoss-Exil. Die beiden wunderschönen Heftladen in der Behindertenwerkstatt palette wurden zu ihrem Schutz in ein Hochregal nach oben verbannt. Und dann finde ich auch noch, ganz im Sinne meines alten Buchbindegurus Karl Heinz Krons, der seine Schüler zur absoluten Sparsamkeit erzog, mit Ausnahme des Werkzeugs, natürlich, den gar putzigen Einfall, einen Stuhl als Heftrahmen zu nutzen.
Quelle: Ruth Zechlin, Werkbuch für Mädchen und für alle, die Freude am Werken haben, S. 274, Bild 1006, 25. Auflage, Otto Maier Verlag Ravensburg, 1961 (Ersterscheinung 1932). (Anmerkung pz: Die alte Zechlin, eine renommierte Professorin für Werkpädagogik, war eine unglaublich rührige ‚Kampfbastlerin’. Sie hatte ihr philosophisches Fundament in der bündisch-/gewerkschaftlich-/sozialistischen Jugendbewegung zu einer Zeit, als es ernsthaft ehrenrührig war, nichts zu wissen bzw. nichts zu können oder, noch schlimmer, nichts lernen zu wollen. Weiteres zu Frau Zechlin bitte ich selbst zu ergoogeln.)


Ein Nach- und Schlusssatz ist nötig, damit kein falscher Eindruck entsteht. Ich bin nicht nur in feines Werkzeug, edles Material und beste Verarbeitung verliebt. Ich liebe Improvisationen, die in einer vorgegebenen Situation mit kleinem oder gar keinem Geld eine solide Lösung bieten.

HinweisKarl Heinz Krons, Gestalten mit Papier, Dumont Taschenbuch, Köln 1976; darin enthalten: zahlreiche Abbildungen und sinnvolle Anleitungen, nicht nur für BastlerInnen, sondern auch für Menschen, die in der Therapie oder an Schulen vielerlei Richtungen arbeiten. Beim Krons finden Sie Anregungen ohne Ende. Das Büchlein ist nur noch antiquarisch zu haben, es wurde leider nicht mehr nachgedruckt.