… steht repariert und neu eingebunden im Regal. Das war/ist ein Buch für englische Schulen zum Thema Buchbinden: „A practical Course in Bookcrafts and Bookbinding” von John Mason, erschienen 1947 in Großbritannien. Ich habe es für kleines Geld auf ebay ersteigert. Der Buchblock, welcher ja schließlich wichtig, war bis auf eine weiche Stelle gut erhalten, weil auf Kunstdruckpapier gedruckt und wenig gebräunt. Dafür war die Decke irreparabel beschädigt, weil eine Ecke abgebrochen und verschwunden war. Ein weiterer Knick ging durch das Titelschildchen. Wie der da reingekommen war, k.A. Egal, mit dem mir eigenen Sinn für Humor habe ich diesen Knick visuell erhalten, da ich das Büchlein nicht zu verkaufen gedenke. Es bleibt also, in feines deutsches Buchbinderleinen gehüllt und verziert mit den Resten der originalen Titel- und Rückenprägungen im heimischen Bücherbord stehen.
Für Anfänger_innen und solche, die es noch werden wollen, bietet es eine didaktisch gut nachvollziehbare Reihe von „projects”, wie der neudeutsche Hobbyist zu sagen pflegt.
Schlussbemerkung: Ich hab's nicht verlernt, obwohl ich ziemlich genau 3 Monate - gesundheitsbedingt - kein Falzbein anfassen konnte. Die buchbinderlose, die schreckliche Zeit ist vorbei. Yavol!
Dienstag, 17. Dezember 2013
Dienstag, 13. August 2013
Französischer Vokabeltrainer für Bibliophile
Heute postet H. in seinem Blog einen sehr amüsanten Beitrag aus der Welt der französischen Bibliophilie. Einige der Begriffe haben mir gut gefallen. Also habe ich mich von meiner aktuellen, mäßig begeisternden Brot-und-Butter-Schreiberei ablenken lassen. Ich habe mir erlaubt, den Beitrag ins Deutsche zu übertragen. Das hat mir viel Spaß gemacht. Was das alles mit dem Schnäuzer zu tun hat, das müssen Sie schon selbst herausfinden.
Link zum Original-Beitrag: http://bibliophilie.blogspot.fr
Link zum Facebook-Hinweis: https://www.facebook.com/BlogBibliophile?hc_location=stream
Link zum Original-Beitrag: http://bibliophilie.blogspot.fr
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Vokabeltrainer für Bibliophile
Eigentümliche Ausdrücke und Manierismen aus der Welt der Bibliophilen, gesammelt von einem der ihren während einiger Fachvorträge.
Mutig in alltägliches Deutsch transferiert von einem der auszog, die französische Buchkultur zu verstehen.
Moustache:
(handgestochenes) Kapital, Kapitalband
Faire du cul:
Dieser Begriff von René Dudin (Die Kunst des Buchbinders-Vergolders, 1772) beschreibt, was passiert, wenn ein Buch mit dem Beschneidhobel gegen den Rücken getrimmt wird. (Anm. pz: Ist mir passiert, sieht Sch***** aus!)
Faire de la pointe:
Wenn der Buchbinder den Kopfschnitt übertrieben hat oder gar zuviel abgeschnitten hat. (Anm. pz: Sieht auch Sch**** aus.)
Livre truffé:
Buch mit eingebundenen Originaldokumente ( z.B. Portraits, Zeichnungen, Grafiken, Briefe, etc.. ). Man erinnert sich unbedingt an den Begriff, wenn einem der Preis in der Nase sticht.
Défouetter:
Modernes Antiquariat, Edelramsch, wird oft direkt von der Palette verkauft.
Dents de rat:
Beschreibt Buchschmuck in der Form einer Folge von kleinen Dreiecken oder anderen kleinteiligen Mustern.
Lavron:
Geschlossene Lage, die beim Beschneiden nicht getroffen wurde, oder auch Bezeichnung für zusammenklebende Seiten.
Farci:
Der Begriff aus der Kodikologie beschreibt ein Manuskript, zwischen dessen Seiten ein Blatt mit einem fremden Text eingefügt wurde.
Biblioklepte:
Bücherdieb.
Bibliocapèle:
Aus dem griechischen ‚bibliokapelos’, Buchhandlung („Bücher en detail”).
Astéronyme:
Eine Reihe von Sternchen anstelle eines Namens wurden im 18. Jahrhundert verwendet, um einen Autor zu anonymisieren.
Caviarder:
Geschwärzte Textstellen, Zensur.
Bouquineur:
Bücherwurm, bookworm, lebt von und für (antiquarische) Bücher.
Dienstag, 2. Juli 2013
Über die Feinde des Buches
Dass ehrenwerte Buchbinder unter der Knute bestimmter Auftraggeber, gewissen manischen oder despotischen Büchersammlern, auch edelste Buchschätze mit Hilfe ihrer Beschneidhobel oder Blockschneider auftragsgemäß in größenvereinheitlichte Bibliotheksexemplare konvertierten, machte schon den alten William Blades wütend. In seinem Buch von 1905, The Enemies of Books, wird das sehr deutlich. Er listete die Feindes des Buches auf und beschrieb ihre Sünden wider das gebundene Buch: Feuer, Wasser, Gas und Heizung, Staub, Vernachlässigung, Ignoranz und Bigotterie, Ungeziefer, Buchbinder, Sammler, Dienstboten und Kinder.
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| Ist das jetzt klar, Buchbinder!? |
Deshalb war dieses kleine Avis-Zettelchen hier notwendig & nützlich. Ob es auch wirklich genutzt hat? Schaut sich unsereiner in Antiquariaten, Bibliotheken oder bei Online-Versteigerungen Exponate oder Lose an, ist starker Zweifel angesagt. Der aufmerksame Buchliebhaber versteht gelegentlich die Welt nicht mehr, angesichts seltener Inkunabilien, denen sogar der oberste Rand der Initialen weggehobelt worden ist; Motto: Passt schon! Manche der Raritäten sind im Bund so eingezogen, dass man sich die ersten Silben mancher Zeile selber ausdenken muss, lesen geht nicht. Dazu kommen nicht selten bis auf wenige Millimeter eingekürzte Ränder: einfach grauslich wie der Begriff „Beschnitt” gar zu wörtlich genommen wurde. (Quelle: https://www.facebook.com/Reliureetcompagnie)
Montag, 1. Juli 2013
Neu in Buchbinders Werkzeugsammlung : Trindles
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| Trindles, homemade |
Wozu der ehrenwerte Amateurbuchbinder die Dingerchen, die nur paarweise auftreten, braucht?
»Cutting in Boards« lernen, Beschneidhobel vorausgesetzt, mit den Trindles nimmt man zum Beschneiden des bereits in die Deckenpappen eingebundenen Buchblocks die Rundung raus.
Und so beschreibt der alte Cockerell einen Vorgang, der übrigens besser funktioniert als ursprünglich befürchtet: http://tinyurl.com/o8zktqj Infos auch hier: http://www.ligatus.org.uk/glossary/node/2659
Montag, 24. Juni 2013
» … gute Kameraden …«
Wenn sich, was gelegentlich passiert, Menschen im Gespräch mit mir darüber verwundert zeigen, wie sehr ich mich für die zahlreichen Nebenschauplätze meines erlernten Berufes, Werbefachmann, und meines Hobbys, Buchbinden, interessiere, dann fehlen mir die Worte. Es fällt mir schwer, und das möge man mir verzeihen, zu akzeptieren, dass sich mein Gegenüber nicht fürs Papiermachen, für Bleisatz, Kalligrafie, für Druckverfahren, Farben, Pergament, Papier, Pappe usw. usw. begeistern kann. Also gebe ich verbal mein Bestes und suche nach Worten für diesen uralten Kosmos, für diese eine Grundmauer unserer Geistes- und Kulturgeschichte.
Nun habe ich beim Stöbern in einem Periodikum von 1965 (philobiblon, Jhrg. IX, Heft 2, S 268) einen schönen Satz gefunden, den ich mir für zukünftige Gespräche merken werde. Er stammt von dem berühmten Künstler, Grafiker, Holzschneider hap grieshaber, der Setzer und Drucker gelernt hatte, bevor er studierte und Künstler wurde.
Zitat: »Wer drucken kann, hat gute Kameraden: Setzer, Ätzer, Papiermacher, Schreiber, Lithographen, Buchbinder und Buchdrucker. Wir sind alle den Meistern des Handwerks verpflichtet. Jeder von uns muß erst verstehen lernen, ehe er die Konvention mit neuem Elan durchbricht. Weil wir soviel beachten müssen, verstehen wir uns aber auch besser. Immer ist unser Metier gefüllt mit berufsfremden Dingen, Gedanken, die uns weitertreiben.«
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| Montefiascone Project, gegenüber |
Zitat: »Wer drucken kann, hat gute Kameraden: Setzer, Ätzer, Papiermacher, Schreiber, Lithographen, Buchbinder und Buchdrucker. Wir sind alle den Meistern des Handwerks verpflichtet. Jeder von uns muß erst verstehen lernen, ehe er die Konvention mit neuem Elan durchbricht. Weil wir soviel beachten müssen, verstehen wir uns aber auch besser. Immer ist unser Metier gefüllt mit berufsfremden Dingen, Gedanken, die uns weitertreiben.«
Vielleicht ist es das, was mir das grafische Gewerbe (im weitesten Sinne gedacht) so sympathisch macht. Und so erkenne ich mit verbundenen Augen, wo der Eingang zur Druckerei oder zur Buchbinderei ist.
Samstag, 15. Juni 2013
Buch-Revitalisierung : Aus verdammt alt mach ziemlich neu
Wenn ein Text über früh-mittelalterliche Buchillustrationen, bebildert mit zahlreichen putzigen Holzschnitten der Zeit, so anfängt: „Die naive Sinnlichkeit des Auges ist dem Deutschen nicht gegeben, er muß sie sich immer erst erwerben. Er ist sachlich zu stark interessiert, um mit unbefangener Optik die Dinge in sich aufzunehmen.”, dann muss ich das lesen. Dann kann ich richtig was lernen oder mich köstlich amüsieren - oder gar beides.
Worringer, Wilhelm:
Wenn das Buch eine Ruine ist, bin ich noch mehr versucht, zu kaufen und mich an die Arbeitsplatte zu stellen, um zu retten was noch zu retten ist. Allen Unkenrufen vom ‚Zerstören historischer Buchsubstanz durch Neueinbinden’ halte ich mein Foto mit den übrig gebliebenen Einbandteilen und dem fertigen Neueinband entgegen; der Originalpappeinband war eine Ruine, ihm fehlte hinten ein ganzes Stück, vorne war er ziemlich eingedrückt. Von Bindung keine Spur. Die Lagen habe ich im Falz geklebt und durch die alten Löcher neu auf Köperband geheftet. Ursprünglich war das Buch auf Streifen von Gaze geheftet, aber da versteh ich nix von.
Das ursprüngliche Titelschildchen habe ich abgelöst. Das ging ganz einfach, da es mit einem leicht zu lösenden Kleber aufgebracht war, der beim Anfeuchten jämmerlich nach billiger Zigarre stank. Aber sonst ist alles paletti, einschließlich Kapitale und Lesebändchen. Und nun konnte ich auch endlich mal einen Rücken mit dem feinen, zweifarbig-gefinkelten Eidechsenpapier machen. Der Ur-Rücken war so ähnlich geprägt, allerdings einfarbig braun.
Das ursprüngliche Titelschildchen habe ich abgelöst. Das ging ganz einfach, da es mit einem leicht zu lösenden Kleber aufgebracht war, der beim Anfeuchten jämmerlich nach billiger Zigarre stank. Aber sonst ist alles paletti, einschließlich Kapitale und Lesebändchen. Und nun konnte ich auch endlich mal einen Rücken mit dem feinen, zweifarbig-gefinkelten Eidechsenpapier machen. Der Ur-Rücken war so ähnlich geprägt, allerdings einfarbig braun.
Worringer, Wilhelm:
Die altdeutsche Buchillustration.
Mit 105 Abbildungen nach Holzschnitten.
Mit 105 Abbildungen nach Holzschnitten.
München: R. Piper & Co., 1919, 1. Aufl. 152 S. gr. 8°. einfarbiger Buchdruck auf Maschinenbütten.
(Gekauft für 4.– €, ohne zu handeln).
Freitag, 14. Juni 2013
Was kostete Buchbinden A.D. 1883 ?
Ein Kölner Antiquar bietet auf eBay den Band 1 der 15-bändigen Amsterdamer Gesamtausgabe, gedruckt 1682, des berühmten deutschsprachigen Mystikers Jacob Böhme an. Nur Band 1 ? Ja, und der professionellen Beschreibung des raren Bändchens entnimmt der sensible Leser, mit welch ehrlichem Bedauern Antiquar Stöger die restlichen Bände vermisst. Das kann ich nachvollziehen, denn ich weiss zufällig, wie teuer Böhme-Reprints gehandelt werden, so sie denn überhaupt einmal angeboten werden.
Das Buch ist keine Schönheit (mehr), es scheint vielgelesen zu sein. Interessanter ist das beigebundene Vorsatzblatt des Käufers von 1883, der mit allerbesten Absichten die komplette Originalausgabe neu hat einbinden lassen: „Gegenw[ärtiges] theosophisches Werk Jak. Böhme ist im Jahre 1883 v. der antiquarischen Buchhandlung in Tübingen angekauft worden. Dasselbe bestund damals in 5 Bänden. Im Jahre 1890 hat man dasselbe nach all seinen einzelnen Theilen wie solche der sel. Böhme geschrieben, und zwar der schnellen Auffindung und des bequemen Gebrauchs halber in 29 Bd. binden lassen, deren Kosten sich auf 18 M. belaufen. Gesamtkosten des Werks 61 M. Gebe Gott, daß dieses unschätzbare Werk nicht in unberufene Hände gelange. Anno 1890”
Der fromme Wunsch ist leider nicht in Erfüllung gegangen, denn die restlichen 28 Halbleinenbände sind verschollen. Aber nun wissen wir aus authentischer Quelle, was die Bindearbeit damals gekostet hat. Das ist schließlich auch mal eine interessante Information. Wenn Sie mitbieten wollen, drücke ich Ihnen die Daumen: http://tinyurl.com/mhfk8we
Das Buch ist keine Schönheit (mehr), es scheint vielgelesen zu sein. Interessanter ist das beigebundene Vorsatzblatt des Käufers von 1883, der mit allerbesten Absichten die komplette Originalausgabe neu hat einbinden lassen: „Gegenw[ärtiges] theosophisches Werk Jak. Böhme ist im Jahre 1883 v. der antiquarischen Buchhandlung in Tübingen angekauft worden. Dasselbe bestund damals in 5 Bänden. Im Jahre 1890 hat man dasselbe nach all seinen einzelnen Theilen wie solche der sel. Böhme geschrieben, und zwar der schnellen Auffindung und des bequemen Gebrauchs halber in 29 Bd. binden lassen, deren Kosten sich auf 18 M. belaufen. Gesamtkosten des Werks 61 M. Gebe Gott, daß dieses unschätzbare Werk nicht in unberufene Hände gelange. Anno 1890”
Der fromme Wunsch ist leider nicht in Erfüllung gegangen, denn die restlichen 28 Halbleinenbände sind verschollen. Aber nun wissen wir aus authentischer Quelle, was die Bindearbeit damals gekostet hat. Das ist schließlich auch mal eine interessante Information. Wenn Sie mitbieten wollen, drücke ich Ihnen die Daumen: http://tinyurl.com/mhfk8we
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