Samstag, 10. Dezember 2011

Hobby-Buchbinders (Vor-)Weihnacht

Für 2011 ist die BuBi-Werkstatt - mehr oder weniger - geschlossen. Bevor ich daran gehe, meine Bücherlein abzuliefern und meine Butze aufzuräumen, möchte ich noch schnell zeigen, was ich in den letzten Tage fertiggestellt habe.

vuscor macht Weihnachtsgeschenke; v.l.n.r.:
4x Skizzenbuch, 2x Lebenserinnerungen, 2 Blindbücher (dick+dünn), 1 x Mark Twain


_ Den Mark Twain habe ich als Rohbögen auf ebay geschossen. Der hat mir besonders gut gefallen, weil der legendäre Walter Trier diese Nachkriegspublikation knuffig illustriert hat. Eine identische Ausgabe las ich als Kind. Ich musste damals, das war wohl ca. Weihnachten 1953/54, mit meiner Mutter um das Buch streiten, denn ihr schien es auch zu gefallen. Vom Patenonkel bekam ich Hermann Löns, Aus Feld und Flur, geschenkt. Das, glaubet mir, habe ich nie gelesen, selbst als Kind nicht. Also Twain: Bögen, der Übung wegen, auf Kordel geheftet, den Regentrücken tintenstrahlbedruckt und den Rest mit Tanjas Kleisterpapier bezogen.] Empfänger sind 2 Mädchen von 10 + 11 Jahren. Bin gespannt, ob die mit solch einem antiquierten Schätzchen etwas anfangen können.
_ Die Erinnerungen eines alten Bekannten, er hat seine Zeit als (Kinder-)Soldat bei den untergehenden Nazis beschrieben, habe ich in ein (5-)Milllimeter-Bändchen mit Leinenrücken und feldgrauem Sprenkelpapier gebunden. Vorsatz wurde ein mit dem Bezugspapier abgestimmtes Roemerturm Maschinenbütten, darauf auch die Titelschildchen.
_ Die 4 identischen Skizzenbücher verschenke ich an enge Freunde, die regelmäßig und gemeinsam zum Aquarellieren ausrücken und erstaunlich poetische Arbeiten zurückbringen: „Baumriesen in herbstlich-nebeliger Siegtalaue”. [Angestupst durch die leise Bemerkung der berühmten Meisterbuchbinderin Mergemeier/Düsseldorf: „Buckram (sprich griffschutzbeschichtetes Bibliotheksleinen), sollte für Alltagsbücher viel öfter eingesetzt werden!” Recht hat die Dame. Hier also mit einem hellorangeroten Regent-Rücken, orangefarbenes Buckram, Buchblock Maschinenbütten vom boesner, A4 auf A5 gefalzte Bögen, daher edel daherkommender, allseitiger Büttenrand ;-o, dunkelrotes Tosabütten als Vorsatz, kleine Blindprägung auf der Titelseite].
Auf Wunsch einer einzelnen Dame in gleicher, handwerklicher Manier gemachtes dickes Notizbuch mit bestem, altweiss getöntem Schreibpapier und eingebunden in der Leinen-Buckram-Variante Rot-Schwarz. Zur Veredlung auf die Titelseite eine Blindprägung mit der Initiale der jungen Dame gesetzt.
_ Die von mir so gerne geübte Papier- u. Pappe-Resteverwertung ergab ein weiteres Skizzenbüchlein aus Abschnitten von feinem Briefpapier (Maschinenbütten, Roemerturm) mit weinrotem Leinenrücken und einem Bezug aus handgeschöpftem indischen „Banana khadi”-Papier. Dieses habe ich nach langer Suche bei einem französischen Anbieter auf der BuBi-Messe im Oktober in Köln gesehen und gekauft. Leider nur 1 Probebogen, was ich sehr bedaure, da sich das Material hervorragend verarbeiten lässt und eine sehr schöne Haptik hat.  Auch hier eine kleine Blindprägung auf der 1 Seite. Dort soll Empfänger ein Titeletikett einkleben.

Mittwoch, 9. November 2011

Expand your bookshelf, please.

«Lehrgang für Papparbeiten - Cours de Cartonnage» Arbeiten für Schüler und Lehrerkurse. Arbeitsbuch für die Freizeitbeschäftigung. Zweisprachig deutsch-französisch, 191 S., zahlreiche S/W-Abbildungen.
Papparbeiten sind nach der reinen Lehre der alten Meister die „Nebenarbeiten des Buchbinders”. Nun, wer sich in dieses Buch, herausgegeben 1966 vom Schweizerischen Verein für Handarbeit und Schulreform (sic!), vertieft und sich zwischen den ungezählten hervorragenden Werkzeichnungen nicht verliert, ist bald vom Gegenteil überzeugt.
Natürlich meine ich den Buchbinde-Amateur, nicht den Profi, denn, so glaube ich, der würde sich freuen, wenn er gelegentlich den Auftrag erhielte, eine Schachtel, eine Box oder gar eine Dokumentenrolle zu fertigen. Leider findet sich so schnell niemand, der kunsthandwerkliche Objekte der gediegenen Art in Auftrag gibt und dem die fällige Rechnung nicht die Tränen in die Augen treibt.
Den Hinweis zum Buch, das in Wirklichkeit eine fadengeheftete, knochengeleimte Broschur ist, verdanke ich der Schweizerin Käti Kreienbühl, besser bekannt als kecke kreatives handwerk, deren Exemplar leider ziemlich ramponiert war. Man sah ihm das halbe Jahrhundert im Gebrauch durchaus an. Mein eigenes, das ich zwischenzeitlich auf ZVAB fand, ist ähnlich mürbe im Rücken, besteht doch die Maschinenheftung aus einem hauchdünnen Fädlein.
Käti schicke ich morgen ihr kostbares Büchlein, neu und stabil eingebunden, und Ihnen empfehle ich, sich um ein eigenes zu bemühen. Denn wer gerne mit Pappe arbeitet, wird sich über die Fülle an sofort verwertbaren, zielorientierten Informationen freuen.

Kätis Buch zerlegt …

… und neu eingebunden.

Montag, 24. Oktober 2011

Buchbinder-Messe Köln

Der traditionelle deutsche Buchbinder-Messe (23. Oktober 2011) fand zum 12. Mal in der Werkstatt Palette, Köln, Lüderichstraße, statt. Es war Bewegung im Angebot zu beobachten, dies jedoch mehr in den Details. Viel Neues kann auch ein solch gediegener Traditionstreff nicht mehr bieten, das Angebot ist auf die reine Handbuchbinderei fokussiert. Auch die seltenen Besucher aus der Welt der Maschinenbuchbinderei (Kunden u. Lieferanten) waren - wie immer - fasziniert von den vielseitigen Angeboten im Papier- und Leder, im Zubehör- und Werkzeugsegment.
Immer interessanter und variantenreicher werden vor allem die Tische der selbst vermarktenden Buntpapierhersteller und Anbieter exotischter Papiere jeglicher Grammatur, Farbe und Oberfläche.
Nach langer Abstinenz wurden auch einige wenige, eigentlich unentbehrliche Buch- und Klotzpressen angeboten, darüber hinaus hingen schriftliche Angebote dazu aus, wer schleppt schon gerne Gußeisen durch Deutschland. Es fanden sich nur sehr wenige Bücher, Rohbögen bzw. Rohblöcke sowieso, bedauerlich für den, der nicht nur Blankobücher binden möchte.
Auch in diesem Jahr wurden die neuen hellen Räume sehr gelobt, die Besuchen konnten entspannt alles unter die Lupe nehmen: Alles in allem ein feines Sonntagsvergnügen, zu dem trotz des herrlichen Sonnenscheins viele hundert Besucher erschienen sind.
Einen besonderen Dank sollten wir Buchbinder - neben den Ausstellern und ihren Standbesatzungen - den Damen und Herren der Palette aussprechen, die in ihrer Freizeit für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung und für das liebevolle Catering gesorgt haben.
Auf Wiedersehen in 2012.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Dem „Alten Fritz” zu Ehren

Buchreihen wie die „Insel-Bibliothek” oder „Die Andere Bibliothek” scheuen keinen Aufwand, ihre Einbände schön und individuell zu gestalten. Wenn dann auch noch eine Freundin im buchbinderischen bzw. im buntpapiergestalterischen Geiste den Auftrag erhält, ein formidables Werk „einzubinden”, kann meine Freude nicht größer sein.
So war es, als das Buch von Norbert Leithold, Friedrich II. von Preußen - Ein kulturgeschichtliches Panorama von A bis Z - in der Post lag. Über die Reihe, die seit Jahren im Eichborn Verlag erscheint, ist eigentlich alles gesagt. Die Werke sind mit bester Typografie auf schönem, lesefreudigen Papier gedruckt, fadengeheftet, in feines Textil gebunden und haben Lesebändchen sowie eine kundenfreudliche, schuberähnliche „Bauchbinde”. In Zeiten pfundschwerer Paperbacks und elektronischer Lesegeräte halt schon haptischer und visueller Luxus.
Zu diesem Buch möchte ich anmerken, dass es mit einem klassischen Kleisterpapierentwurf von Tanja Karipidis gestaltet wurde, der vom Verlag auf den traditionellen Textileinband gedruckt wurde. Ein hervorragendes Zitat in preußisch Blau, Spätbarock oder gar Frührokoko … egal, das Design weist klar nach Sanssouci. Der despotische Verschwender, genannt ‚Der Alte Fritz’, hätte sicher seine Freude daran.

Tanja Karipidis hat dem „Alten Fritz” einen würdigen Einband gestaltet


Donnerstag, 6. Oktober 2011

Buchbinden, transatlantisch: With a little help from my friends …

Gefragt, warum ich mich so gerne in der amerikanisch durchgeformten, von dem immer online seienden Initiator Peter Verheyen meisterlich am Leben erhaltenen Liste BOOK_ARTS-L@LISTSERV.SYR.EDU  tummle? Darum: Ich liebe die ebenso unprätentiöse wie zielorientierte, sofort verwertbare Art und Weise, wie ‚drüben’ globale, fachliche Kommunikation betrieben wird.

Ein ehrenwertes Mitglied der Liste frug aktuell nach „Tiny Bone Folders”. Eine Antwort, aus Australien übrigens, lautet:

»Two solutions:

1 Carve your own from flat bamboo chopsticks. I give them a rub with silicon hand cream. The long ones are good for working on a hollow spine.

2. Eat hot cakes for breakfast at MacDonalds and keep the plastic knife. The knives are great for small tasks and when they get a bit sad, throw them away and eat some more hot cakes.»

Das wollte ich mal dargestellt haben: Es gibt ein Wissen jenseits aller Prüfungsordnungen und auch solches, das nicht wirklich unter das so gerne herausgetrötete „mein Betriebsgeheimnis” fällt. Weitere Beispiele für tätige Kollegenhilfen können gerne in der Liste nachgelesen werden. Fast-Food hat dann wohl doch einen Benefit, finden Sie nicht auch? :-D

Dienstag, 4. Oktober 2011

Einladung zur Buchbindermesse in Köln am 23. 10. 2011



Einladung
Gemeinnützige Werkstätten Köln GmbH
Fachmesse und Treffpunkt für Hand-Buchbinder, Restauratoren,
Papier- und Schriftkünstler und alle andere Interessenten

Buchbinder-Messe Köln 2011
Sonntag, 23. Oktober 2011
11:00 – 17:00 Uhr
Werkstatt Palette - Lüderichstraße 8
51105 Köln (Gremberg)
Eintritt:  Erwachsene 2,50 €, Kinder 1,00 €

Buntpapiere I Gewebe I Buchbinde-Leder I Pergamente I 
Werkzeug I Geräte | Zubehör I Kalligrafiebedarf I 
Information I Präsentation I Demonstration



Freitag, 23. September 2011

Das „Jörg-Czischke-Handbuch” hat eine sichere Hülle erhalten





Einen klassisch-schlichten Archivkasten zu bauen war mir ein wenig zu wenig, also habe ich einen hochroten Bezug gewählt und den Kasten innen mit schwarzem Büttenpapier ausgefüttert. Die kleine Klappe rechts innen, trennt das „Hand-Buch”, das oben auf liegt, von den dazu zugehörigen aber nicht mehr korrekt einzusortierenden losen Archivalien. „Handbuch” haben wir das Objekt  genannt, weil der Czischke den Teil einer seiner Skulpturen auf den Deckel montiert hat.
Im scharfen Sonnenlicht wirkt das Teil noch dramatischer als schon im desolaten Urzustand. Irgendwie assoziiere ich in die Richtung „Geheimarchiv”, was aber auch daran liegen könnte, dass ich momentan Sebald lese.
Buchbinders Anmerkung: Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, warum die meisten der Archivkästen mit Naturleinen oder mit Wachstuch (Buckram?) bezogen sind. Mir ist jetzt klar, dass mein hochfeines Buchleinen sehr empfindlich ist, was Abrieb etc. anlangt. Es ist also nicht geeignet, wenn - z.B. so ein Kasten - öfter auf einer rauhen Fläche hin- und her geschoben wird.