Donnerstag, 14. Oktober 2010

Noch 1 Tag bis zur 11. Buchbindermesse in Köln

Morgen, Sonntag, 24. November beginnt um 11 h die 11. Buchbindermesse - wie jedes Jahr - in der Gemeinnützigen Werkstatt Palette, Lüderichstrasse 8, 51105 Köln (Stadtteil Kalk/Humboldt-Gremberg) mit insgesamt 40 Ausstellern. Ich bin wirklich gespannt, ob - und was - sich im Vergleich zu den letzten Jahren verändert hat. Ich werde berichten.

Sonntag, 26. September 2010

Buchbinders Flohmarktfund: Sprungrückenbuch

In Buchbinderkreisen, vor allem unter Amateuren, werden einzelne Fachbegriffe mit einer gewissen Ehrfurcht in die Gesprächsrunden eingeworfen. Der „Sprungrücken” ist so einer: Viele wissen, was er bedeutet, wenige haben je einen in der Hand gehabt, kaum jemand hat je einen gebaut. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Sprungrückenbuch 
Das schöne daran ist, dass eines der meist massigen Sprungrückenbücher immer flach aufliegt, wenn die Seite umgeklappt wird. Man blättert halt nicht einfach um und hält die Steile mit der flachen Hand unten, nein, die aktuell genutzte Buchhälfte liegt zum Schreiben flach auf.
Ich habe meinen Band auf dem Flohmarkt sehr günstig kaufen können, und ich dachte, dass ich aus dem schönen klangharten, hellblauen Papier mit seiner wunderbar glatten Oberfläche ein paar neue Notizbücher mit Ledereinband binden könnte. 
Doch nach näherer Betrachtung erkannte ich, was ich mir da für ein paar Euros angeschafft hatte: Ein Sprungrückenbuch in fast 4 mm starker Pappe und rotbraunem Buckram eingebunden, Titelseite mit goldgeprägtem, 2-zeiligem Titel „Correspondence Register”, zweifarbigem, doppeltem Vor- und Nachsatz (Heftvorsatz / sewn endsheets), Format ca. 32 x 33 x 2,5 cm), 88 Blatt Maschinenbütten, glatt, Wasserzeichen von Wiggins, Teape & Co, wahrscheinlich frühe 50er Jahre. Alles in bester Verfassung, Titel und Rücken sind ausgeblichen, der gesprenkelte Schnitt ist einwandfrei. Det janze müffelt altersgemäß, aber Katzenstreu wartet schon.



Samstag, 14. August 2010

Paper Art — Papierartisten

Quelle: http://www.boveylee.com/ via: http://www.webdesignerdepot.com 

O.k., o.k., diese(r) oder jene(r) Papierartist ist schon durch die einschlägigen online-Medien gereicht und reichlich bewundert worden. Trotzdem sollten Sie dieser Sammlung feinster Papierarbeiten ein wenig Ihrer Aufmerksamkeit schenken. Zur Erinnerung: Phantasie, Ausdauer, Papier/Pappe, Messer/Schere, Lineal und Kleber, eventuell eine Lupe, das wär's. Die 100 traumhaften Arbeiten sind  hier  zu bestaunen. Die sie umgebende, schnatterige Werbung bitte ich ignorieren zu wollen.

Sonntag, 8. August 2010

BuBis Sommerpause beendet

Zugegeben, buchbinden bei Raumtemperaturen, die den Leim schon vor dem Auftragen abbinden lassen, ist nicht wirklich pläsirlich, aber durch gezieltes Untermischen von BuBi-Kleister und/oder Wasser beherrschbar. Umso mehr freut es mich, eine Arbeit fertiggestellt zu haben, die sich in mehrfacher Hinsicht als ‚interessant’ herausgestellt hat.
Neu einzubinden war da ein Buch, typisch für eine gewisse Art der Billig-Publikation: Grässlicher  Komposer-Satz, im Bund viel zu eng montierte Einzelseiten, gedruckt auf merkwürdig steifem Papier und zusammengehalten von einer völlig unzureichenden Heißleimbindung. Diese war mehrfach gebrochen und einige Seiten waren bereits lose. Das für die Buntpapiererin Tanja Karipidis |: mehr :| wichtige Referenzbuch für die Vogeleiermuster ihres zauberhaften Sprenkelpapiers musste neu und haltbar eingebunden werden.
Ich habe den brüchigen, alten Leim entfernt, den Rücken mehrfach eingesägt, in die Sägefugen Fäden eingelegt und mit gelumbeckt. Den neuen Rücken habe ich mit 3F-Gaze stabilisiert und mit einer Lage Flanell ausgeglichen, denn etwas schief geschnitten war der ursprüngliche Rücken auch. Das Buch bekam handgefertigte Kapitalbändchen.
Den Einband habe ich als schmalen Halblederband mit rotem Schafleder und entsprechenden Lederecken gestaltet. Bezogen wurde das Buch mit Tanjas Sprenkelpapier „Turmfalke”. Das in einer „Blindprägung” eingeleimte Titelschildchen ist ein Digitaldruck auf 180 g/qm Bilderdruck.
Weil das Buch zu einigen Verkaufsveranstaltungen mitreisen wird, musste ein Schuber her. Dieser ist so bemaßt, dass zwecks Schonung des Rückens davon nichts übersteht. Der Schuber wurde mit dem Karipidis-Sprenkelpapier „Wachtel” bezogen.
Bei aller gebotenen Bescheidenheit: Beide Teile sind gelungen und bilden eine schöne Einheit, die den an Tanjas Sprenkelpapier Interessierten die guten gestalterischen sowie buchbinderischen Möglichkeiten demonstriert.

Das Buch wurde mit Motiv „Turmfalke” …
… und der Schuber mit Motiv „Wachtel” bezogen.

Wer sich für Tanja Karipidis Buntpapier interessiert und technische und/oder kaufmännische Informationen benötigt, der schreibe ihr doch eine Mail: studio[at]buntpapier[punkt]eu

Donnerstag, 10. Juni 2010

Buchbinden : Buchreparatur nach den Regeln der Kunst

 

Aus einer Buchruine wieder ein uneingeschränkt nutzbares Buch zu machen, das bringt mir einen ungeheuren Spaß. Doch als mich die Freundin, sie arbeitet an wissenschaftlichen Publikationen, ihren ramponierten, aber unersetzlichen XXL-Webster zeigte, musste ich schlucken. Das war ein Monster mit 32 x 22 cm und einem 10 cm dicken Buchblock mit 2.626 Seiten Bibeldruck (!). Das Buch wurde Anfang der 80er Jahre in Asien als Lizenzausgabe für chinesische Englisch-Studenten erworben und war - so habe ich erfahren, „im Westen” nicht erhältlich.
Nun denn: Ich habe die Schwarte vorsichtig zerlegt, den Rücken gesäubert, ausgeglichen und zwei mal mit dreifädiger Gaze gesichert sowie Kapitalband und Hülse aufgepappt. Wg. der diffizilen Statik des Buches habe ich als Vorsatz hellgraue Elefantenhaut gewählt. Die neue Decke aus 3 mm glatter Bubipappe habe ich mit Naturleinen bezogen und die abgelösten und gereinigten Teile des alten Rückens beschnitten und schließlich aufgeleimt. Nach dem Einhängen kamen dann die sonst unterm Dach schlummernde Klotzpresse (Danke Eberhard!!) und geliehene Einpressbretter (Danke Zimbo!) zum Einsatz.
So, und nun muss das Monstrum (6,2 kg) aus dem Haus!

 

Short abstract: 6,2 kg, 32 x 22 x 10 cm, 2.226 pages bibel paper, new case bound slightly rounded, german book cloth (called Naturleinen), endpaper made of Zander's Elefantenhaut






Sonntag, 30. Mai 2010

Werbegeschenke: Kaufen kann jeder, Buchbinder machen die selbst.

In vielen Grafischen Werkstätten werden an die wenigen verbliebenen Hand-Buchbinder gelegentlich Aufträge erteilt, die sich trotz der beruflichen Anspannung für alle Beteiligten als großer, erfolgreicher Spaß herausstellen. Für die Einweihungsfeierlichkeiten unseres Neubaus am 28. Mai d.J. benötigte die Betriebsleitung Werbegeschenke für die zahlreich eingeladenen Gäste. „Blöckchen machen” lautete die Devise. 
Die Buchbindegruppe hat sich nach freundlicher Diskussion für eine luxuriöse Variante (zum Auf- und Zuklappen) entschieden, die mir noch aus meiner aktiven Zeit als Werbefachmann der Firma Nattermann erinnerlich war. Wir machten schließlich ca. 120 gelumbeckte Blöckchen im Format A 7 aus 90 g/qm „Einfach-Weiss”-Standardpapier, 1,5 mm Maschinenlaufpappe und selbstgestaltetem  Kleisterpapier auf farbigem Japico und Scharnieren aus Kraftpapier. Die fertigen Klappblöckchen haben die Kolleginnen leicht mit Bohnerwachs poliert. Auf den Spiegel innen (aus einem alten Büttenrest geschnitten) haben wir unsere Basisinformationen als vorsichtige Eigenwerbung fotokopiert.

Als nächstes stehen Kraftpapierbezogene Archivmappen mit durchgezogenen Bändern und einige A5-Notizbücher an, aber nur, wenn es das Sommerloch gut mit unseren schönen Sonderaufgaben meint. Vorher müssen wir aber noch ebenso schnell wie präzise 5.000 Schreibblocks A5 produzieren. Da heisst es fleißig den Leimpinsel schwingen.

Dienstag, 11. Mai 2010

Buchbinden & Buntpapier: Tanja Karipidis ist online


Werbung für eine gute BuBi-Freundin und ihre Produkte zu machen, dazu muss ich nicht extra aufgefordert werden, vor allem dann nicht, wenn diese Produkte richtig schön und wirklich gut sind. Tanja arbeitet sich schon seit längerer Zeit intensiv in die Materie „Buntpapier” ein. Heute hatte ich ihre kleine Musterzusammenstellung „Sprenkelpapier mit Vogelei-Dekor” in der Post, die sonst mit Originalmustern üppig dekoriert als Klappkarte für 9,– EURO über die Theke geht und leider momentan ausverkauft ist.
Das sind delikate Papiere, die Tanja Karipidis herstellt! Natürlich bietet sie auch andere klassische Kleisterpapiere etc. an, davon habe ich noch keine Abbildung. Mein Bild von ihrem Stand in St. Niklaas ist leider wenig aussagekräftig.
Zu den Vogelei-Dessins ist noch anzumerken: Die Papiere sind so fein in der Oberfläche, dass ich nicht der einzige und auch nicht der letzte sein werde, der vorsichtig mit der Fingerspitze darüber fährt, um zu prüfen, ob das auch wirklich handgemacht und nicht maschinengedruckt ist. Das ist schlichtweg globale, professionelle Qualität, die nur von wenigen Buntpapiererinnen getroffen wird. Die Bogenpreise variieren, je nach Arbeitsaufwand von 8,– bis 16,– EURO. Immerhin haben einige Papiere, Dessin „Wachtel” beispielsweise, 5 (fünf) verschiedene Farbaufträge.
Wer wissen will, auf welchen Verkaufsausstellungen Tanja Karipidis ihren Stand aufbaut oder wer Muster anfordern will, der klicke hier: http://buntpapier.eu