Nach einem amerikanischen Vorbild habe ich einen besonders schmalen Halbleinenrücken gewählt und passende kleine Leinenecken, was ungeheuer Material spart und sehr elegant wirkt. (Das werde ich mal mit Leder versuchen - bei den aktuellen Preisen lohnt sich das sicher.) Die Vorsätze sind passend zum leicht gilben Kunstdruckpapier des neu auf Bänder gehefteten Buchblocks gewählt. Die vorhandenen Heftlöcher habe ich nach Möglichkeit wieder verwendet. Eingebunden ist das Schätzchen in eine alte Nato-Karte, die mir Buchbindefreund Uwe generös geschenkt hatte. Mir gefällt's so, schließlich bin ich nicht wg. meiner filigranen Einbände bekannt.
Mittwoch, 4. November 2009
F. Morf. Papparbeit und Bucheinband - Zurück im Bücherregal
Nach einem amerikanischen Vorbild habe ich einen besonders schmalen Halbleinenrücken gewählt und passende kleine Leinenecken, was ungeheuer Material spart und sehr elegant wirkt. (Das werde ich mal mit Leder versuchen - bei den aktuellen Preisen lohnt sich das sicher.) Die Vorsätze sind passend zum leicht gilben Kunstdruckpapier des neu auf Bänder gehefteten Buchblocks gewählt. Die vorhandenen Heftlöcher habe ich nach Möglichkeit wieder verwendet. Eingebunden ist das Schätzchen in eine alte Nato-Karte, die mir Buchbindefreund Uwe generös geschenkt hatte. Mir gefällt's so, schließlich bin ich nicht wg. meiner filigranen Einbände bekannt.
Mittwoch, 28. Oktober 2009
Klebebinden - Buchbinders Alltag

Kästen bauen - Buchbinders Gesellenstück

Dieses amerikanische Manuskript „Boxes for the Protection of Rare Books: Their Design and Construction”** geistert bereits seit längerem durch die Diskussionen der BuBi-Freunde. Es hat einen Ruf wie Donnerhall. Manche jedoch sehen es ausgesprochen ‚kritisch’. „Das ist mir zu akademisch, viel zu abstrakt.” So oder so ähnlich lauten die Kommentare. Nun hätte ich hier ein Beispiel, wie man auf Basis der Thesen und Arbeitsanweisungen des Autors seine ganz persönlichen Projekte realisieren kann.
Zugeben, der ‚Macher’ der Beispiele ist Profi, aber dafür hat unsereiner doch alle Zeit der Welt, um eine solche textilkaschierte Box zu bauen. Und was den englischen Text anlangt, der ist ‚akademisch’, ja, dafür aber präzise und mit einem ordentlichen Wörterbuch sauber zu übersetzen. Auch Peachey's Text enthält einige nützliche Fingerzeige für mutige Käschtlesbauer.
Montag, 19. Oktober 2009
Leder schärfen – Buchbinderstress


Hurra, es ist ein Zwilling, sagt mir das eingepunzte Logo. Dieses hübsche Lederschärfmesser fand ich für sage und schreibe 3 Euro auf einem Flohmarkt. Die 2 mm starke Stahlklinge sitzt, von einer Messinghülse geschützt, in einem gedrechselten Holzgriff. Alle Teile sind, abgesehen von ein paar bescheidene Korrisionsnarben, in bester Verfassung. Die Schneide habe ich schön vorsichtig über einen nassen Abrichtestahl und meinen (selbstgefertigten) Streichriemen gezogen. Alles bestens (siehe großes Foto). Das Messer arbeitet hervorragend - für einen Linkshänder. Hm, da fällt mir ein, ich bin ja Rechtshänder. Also muss ich von oben nach unten schärfen. Oder einfach nur diese Klinge bewundern, die so aussieht, als ob sie aus antiken Samurai-Schwertern gefertigt worden wäre. Wann dieses edle Werkzeug entstanden ist, können mir vielleicht die ExpertInnen vom Solinger Klingenmuseum sagen, die ich bald besuchen werde. Ich schätze, dass es noch aus Kaisers Zeiten stammt.
Mittwoch, 14. Oktober 2009
Günter Brus „ZERREISSPROBE” bei Werner Clemens
Mein Freund Werner Clemens [ buch-und-kunst.de ] hat einen schlichten, schönen Katalog zu frühen Arbeiten des Mitglieds der Wiener Gruppe, Günter Brus, in Kleinstauflage vorgestellt. Er zeigt Arbeiten aus den frühen 70er Jahren, darunter hervorragende Zeichnungen, die lange im Verborgenen schlummerten. Clemens untertitelt seine Dokumentation früher Brus-Arbeiten so: Dokumente, Entwürfe, Siebdrucke, Zeichnungen. Es sind Original-Arbeiten, Zeichnungen vor allem, altmeisterliche Radierungen, Siebdrucke, Entwürfe etc., mit denen ‚damals’ in den wilden 70er Jahren der legendäre Galerist Hundertmark (Berlin/Köln) in der Welt der avantgardistischen Kunst erfolgreich war.
Augenweide Bibliodyssey

Sonntag, 30. August 2009
Capronnier de Gauffecourt - Traité de la Relieure des Livres
„Expand your bookshelf”, das ist eines der Dauerthemen im quicklebendigen, globalen Buchbindeforum namens Book Arts Forum. Dort kann ich, bis auf ein paar ältere, englischsprachige Must-have-Bücher von legendärer Qualität nur wenig beitragen, da mich viele der in den letzten Jahren liebevoll angepriesenen Bücher zum Thema Buchbinden entweder langweilen oder bereits in meinem Regal stehen.
Heute möchte ich auf das Buch in der Überschrift hinweisen, nicht zuletzt wegen der gelegentlich skurilen Geschichte, mir ein Exemplar zu beschaffen. «Traité de la Relieure des Livres by Jean-Vincent Capronnier de Gauffecourt. A Bilingual Treatise on Bookbinding. Translated from the French by Claude Benaiteau. With an Introduction by John P. Chalmers. Edited by Elaine B. Smyth. Verlag W. Thomas Taylor, Austin, 1987.»
Das Büchlein ist seiner inhaltlichen Bedeutung entsprechend bibliophil in einer Auflage von 300 Kopien mit einer Van Dijck Type auf einem mir unbekannten traumschönen Hadern-Papier namens ‚Frankfurt White’ gedruckt. Das Papier ist natürlich handgeschöpft, elfenbeinfarben, edel strukturiert. Das Buch wurde sehr hübsch halbleinen von Hand eingebunden.
Der Inhalt ist schnell skizziert: Es ist die kürzestmögliche Schilderung der französischen (pariser) Buchbindekunst der vorrevolutionären, der maschinenfreien Zeit. Einer Zeit, die nicht nur politisch und sozial vor gravierenden Umstellungen stand. Auch im Buchbinde-Millieu deuteten sich mit dem Einsatz von Maschinen wie der Säulenpresse als Ersatz für die Balkenpresse oder auch der Papier-Guillotine (sic) aka Blockschneider als Ersatz für Beschneidhobel, starke, ja aufsehenerregende Umstellungen an.
Hier sah der Autor, Capronnier des Gauffecourt, Freund und Weggefährte von Rousseau und Voltaire, das Ziel seiner Publikation. Er wollte allen an gut gemachter, klassischer Buchbindearbeit interessierten Menschen zeigen, worauf sie zu achten haben, um nicht dem schnell umsichgreifenden Dilettantismus und den vielen Betrügereien auf den Leim zu gehen. Die Herrscher des Buchwesens dieser Zeit müssen unseren aktuellen „Heuschrecken” nicht unähnlich gewesen sein.
Ein Seminar-Angebot des New-Yorker Buchbinders und Papier-Restaurateurs Jeff Peachey und die ebenso launigen wie reich bebilderten Berichte zum Workshop [ hier ] [ hier ] [ hier ] interessierte mich sehr und brachte mich auf die Spur des Gauffecourt-Textes.
Seine Beschaffung war dann schon ein wenig mühevoll - kein Wunder bei der geringen Auflage. Erstaunt hat mich allerdings, und da bin ich mit meinen Recherchen noch nicht fertig, dass dieser (unbebilderte)Text in Deutschland so gut wie unbekannt ist. Es existiert keine öffentlich zugängliche Übersetzung. Das ist nicht weiter schlimm, da die englische Sprache des Übersetzers Benaiteau - einschließlich der notwendigen Fachausdrücke - klar und unmissverständlich ist. Er weist auch auf gewisse Brüche hin, bei der er sich Klärung durch einen modernen Buchbinder wünschte.
Was habe ich bei Herrn Gauffecourt gelernt? Beispielsweise adaptierte Ich seine Lösung für mein Problem, den geliebten dickleibigen Bütten-Papieren die Steigung in den Brüchen, Falzen und Lagen mit zahlreichen gezielten, liebevoll-druckvollen Hammerschlägen und stunden- bzw. tagelangen Pressungen auszutreiben. Das ‚Niederhalten’ der deutschen Buchbinder ist nur ein schwacher Ersatz für die ‚Prügleorgien’, die ich nach G's. Anweisungen (und Peacheys Empfehlungen) veranstaltet habe und die mir die Leimdosen aus dem Regal trieben. Auch Gs. Vorschläge zu feinen, gezielten Leimaufträgen an den Schwachstellen der ersten und letzten Lagen (mit den Vor- und Nachsätzen) haben mir schon geholfen - auch bei der von mir bevorzugten Bradel-Technik.
Das nächste, nachgedruckte Buchbinde-Dokument aus vorrevolutionärer Zeit steht wartend im schützenden Schuber: Halbleder, Folioformat, um die 150 Seiten dick mit einigen Illustrationen in Diderot-Qualität: Dudin. The Art of the Bookbinder and Gilder. Doch davon später im Jahr.

