Der traditionelle deutsche Buchbinder-Messe (23. Oktober 2011) fand zum 12. Mal in der Werkstatt Palette, Köln, Lüderichstraße, statt. Es war Bewegung im Angebot zu beobachten, dies jedoch mehr in den Details. Viel Neues kann auch ein solch gediegener Traditionstreff nicht mehr bieten, das Angebot ist auf die reine Handbuchbinderei fokussiert. Auch die seltenen Besucher aus der Welt der Maschinenbuchbinderei (Kunden u. Lieferanten) waren - wie immer - fasziniert von den vielseitigen Angeboten im Papier- und Leder, im Zubehör- und Werkzeugsegment.
Immer interessanter und variantenreicher werden vor allem die Tische der selbst vermarktenden Buntpapierhersteller und Anbieter exotischter Papiere jeglicher Grammatur, Farbe und Oberfläche.
Nach langer Abstinenz wurden auch einige wenige, eigentlich unentbehrliche Buch- und Klotzpressen angeboten, darüber hinaus hingen schriftliche Angebote dazu aus, wer schleppt schon gerne Gußeisen durch Deutschland. Es fanden sich nur sehr wenige Bücher, Rohbögen bzw. Rohblöcke sowieso, bedauerlich für den, der nicht nur Blankobücher binden möchte.
Auch in diesem Jahr wurden die neuen hellen Räume sehr gelobt, die Besuchen konnten entspannt alles unter die Lupe nehmen: Alles in allem ein feines Sonntagsvergnügen, zu dem trotz des herrlichen Sonnenscheins viele hundert Besucher erschienen sind.
Einen besonderen Dank sollten wir Buchbinder - neben den Ausstellern und ihren Standbesatzungen - den Damen und Herren der Palette aussprechen, die in ihrer Freizeit für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung und für das liebevolle Catering gesorgt haben.
Auf Wiedersehen in 2012.
Montag, 24. Oktober 2011
Sonntag, 16. Oktober 2011
Dem „Alten Fritz” zu Ehren
Buchreihen wie die „Insel-Bibliothek” oder „Die Andere Bibliothek” scheuen keinen Aufwand, ihre Einbände schön und individuell zu gestalten. Wenn dann auch noch eine Freundin im buchbinderischen bzw. im buntpapiergestalterischen Geiste den Auftrag erhält, ein formidables Werk „einzubinden”, kann meine Freude nicht größer sein.
So war es, als das Buch von Norbert Leithold, Friedrich II. von Preußen - Ein kulturgeschichtliches Panorama von A bis Z - in der Post lag. Über die Reihe, die seit Jahren im Eichborn Verlag erscheint, ist eigentlich alles gesagt. Die Werke sind mit bester Typografie auf schönem, lesefreudigen Papier gedruckt, fadengeheftet, in feines Textil gebunden und haben Lesebändchen sowie eine kundenfreudliche, schuberähnliche „Bauchbinde”. In Zeiten pfundschwerer Paperbacks und elektronischer Lesegeräte halt schon haptischer und visueller Luxus.
Zu diesem Buch möchte ich anmerken, dass es mit einem klassischen Kleisterpapierentwurf von Tanja Karipidis gestaltet wurde, der vom Verlag auf den traditionellen Textileinband gedruckt wurde. Ein hervorragendes Zitat in preußisch Blau, Spätbarock oder gar Frührokoko … egal, das Design weist klar nach Sanssouci. Der despotische Verschwender, genannt ‚Der Alte Fritz’, hätte sicher seine Freude daran.
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| Tanja Karipidis hat dem „Alten Fritz” einen würdigen Einband gestaltet |
Donnerstag, 6. Oktober 2011
Buchbinden, transatlantisch: With a little help from my friends …
Gefragt, warum ich mich so gerne in der amerikanisch durchgeformten, von dem immer online seienden Initiator Peter Verheyen meisterlich am Leben erhaltenen Liste BOOK_ARTS-L@LISTSERV.SYR.EDU tummle? Darum: Ich liebe die ebenso unprätentiöse wie zielorientierte, sofort verwertbare Art und Weise, wie ‚drüben’ globale, fachliche Kommunikation betrieben wird.
Ein ehrenwertes Mitglied der Liste frug aktuell nach „Tiny Bone Folders”. Eine Antwort, aus Australien übrigens, lautet:
»Two solutions:
1 Carve your own from flat bamboo chopsticks. I give them a rub with silicon hand cream. The long ones are good for working on a hollow spine.
2. Eat hot cakes for breakfast at MacDonalds and keep the plastic knife. The knives are great for small tasks and when they get a bit sad, throw them away and eat some more hot cakes.»
Das wollte ich mal dargestellt haben: Es gibt ein Wissen jenseits aller Prüfungsordnungen und auch solches, das nicht wirklich unter das so gerne herausgetrötete „mein Betriebsgeheimnis” fällt. Weitere Beispiele für tätige Kollegenhilfen können gerne in der Liste nachgelesen werden. Fast-Food hat dann wohl doch einen Benefit, finden Sie nicht auch? :-D
Dienstag, 4. Oktober 2011
Einladung zur Buchbindermesse in Köln am 23. 10. 2011
Einladung
Gemeinnützige Werkstätten Köln GmbH
Fachmesse und Treffpunkt für Hand-Buchbinder, Restauratoren,
Papier- und Schriftkünstler und alle andere Interessenten
Buchbinder-Messe Köln 2011
Sonntag, 23. Oktober 2011
11:00 – 17:00 Uhr
Werkstatt Palette - Lüderichstraße 8
51105 Köln (Gremberg)
Eintritt: Erwachsene 2,50 €, Kinder 1,00 €
Buntpapiere I Gewebe I Buchbinde-Leder I Pergamente I
Werkzeug I Geräte | Zubehör I Kalligrafiebedarf I
Information I Präsentation I Demonstration
Werkzeug I Geräte | Zubehör I Kalligrafiebedarf I
Information I Präsentation I Demonstration
Freitag, 23. September 2011
Das „Jörg-Czischke-Handbuch” hat eine sichere Hülle erhalten
Einen klassisch-schlichten Archivkasten zu bauen war mir ein wenig zu wenig, also habe ich einen hochroten Bezug gewählt und den Kasten innen mit schwarzem Büttenpapier ausgefüttert. Die kleine Klappe rechts innen, trennt das „Hand-Buch”, das oben auf liegt, von den dazu zugehörigen aber nicht mehr korrekt einzusortierenden losen Archivalien. „Handbuch” haben wir das Objekt genannt, weil der Czischke den Teil einer seiner Skulpturen auf den Deckel montiert hat.
Im scharfen Sonnenlicht wirkt das Teil noch dramatischer als schon im desolaten Urzustand. Irgendwie assoziiere ich in die Richtung „Geheimarchiv”, was aber auch daran liegen könnte, dass ich momentan Sebald lese.
Buchbinders Anmerkung: Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, warum die meisten der Archivkästen mit Naturleinen oder mit Wachstuch (Buckram?) bezogen sind. Mir ist jetzt klar, dass mein hochfeines Buchleinen sehr empfindlich ist, was Abrieb etc. anlangt. Es ist also nicht geeignet, wenn - z.B. so ein Kasten - öfter auf einer rauhen Fläche hin- und her geschoben wird.
Sonntag, 14. August 2011
Rohbau steht
Als mein Freund Jörg Czischke vor einigen Jahren starb, hinterließ er ein beeindruckendes Oeuvre, Bilder, Zeichnungen, Buchobjekte, Skulpturen und Konzepte und einige wenige Archivalien, darunter ein „Handbuch”. Darin hatte er alltägliche Gedanken ebenso wie technische und persönliche Daten, Informationen und Hinweise für seine Frau Margarethe notiert, Fundorte für seine Collagen usw. Für Kenner und Liebhaber seiner Arbeiten sind auch die teils winzigen Skizzen, manche in Farbe, wichtige Fingerzeige in sein Werk und in verschiedene Schaffensphasen.
In der Gruppe, die sich mit der Öffentlichmachung seines Werkes beschäftigt, wurde der Wunsch geäußert, Jörgs Handbuch zu restaurieren und die darin enthaltenen Informationen in Werkverzeichnis einfließen zu lassen.
Das Restaurieren habe ich übernommen. Ich fand ein nahezu aus den Fugen gegangenes chinesisches Notizbuch vor, das mit unterschiedlichen Applikationen verziert worden war. Das bemerkenswerteste Attribut war eine 3-dimensionale Hand, sprich ein gefüllter Textilhandschuh, überzogen mit einem Kunststoff (?) und einer Hartwachs-Schicht. Ein Buch mit einer solchen „Titelseite” lässt sich nur mühsam „einpressen”, um die Leimung der neuen Vor- und Nachsätze ans Halten zu bringen.
Heute habe ich den Rohbau für die Archivschachtel fertiggestellt, die ich bald, wenn ich das dafür nötige seelische Gleichgewicht erreicht habe, mit Regent-Leinen beziehen und mit Gmundener Hanfpapier auskleiden werde. Weil ein Rohbau schon einigermaßen wichtig ist, hier vorab Bilder von der Hand und vom rohen Kasten. Der Zwischenboden im rechte Teil, der das Handbuch aufnimmt, ist mit einer Klappe versehen, damit die lose beigelegten Zettelchen einen würdigen Platz finden und ohne großes Gefummel entnommen werden können.
In der Gruppe, die sich mit der Öffentlichmachung seines Werkes beschäftigt, wurde der Wunsch geäußert, Jörgs Handbuch zu restaurieren und die darin enthaltenen Informationen in Werkverzeichnis einfließen zu lassen.
Das Restaurieren habe ich übernommen. Ich fand ein nahezu aus den Fugen gegangenes chinesisches Notizbuch vor, das mit unterschiedlichen Applikationen verziert worden war. Das bemerkenswerteste Attribut war eine 3-dimensionale Hand, sprich ein gefüllter Textilhandschuh, überzogen mit einem Kunststoff (?) und einer Hartwachs-Schicht. Ein Buch mit einer solchen „Titelseite” lässt sich nur mühsam „einpressen”, um die Leimung der neuen Vor- und Nachsätze ans Halten zu bringen.
Heute habe ich den Rohbau für die Archivschachtel fertiggestellt, die ich bald, wenn ich das dafür nötige seelische Gleichgewicht erreicht habe, mit Regent-Leinen beziehen und mit Gmundener Hanfpapier auskleiden werde. Weil ein Rohbau schon einigermaßen wichtig ist, hier vorab Bilder von der Hand und vom rohen Kasten. Der Zwischenboden im rechte Teil, der das Handbuch aufnimmt, ist mit einer Klappe versehen, damit die lose beigelegten Zettelchen einen würdigen Platz finden und ohne großes Gefummel entnommen werden können.
Ein paar wenige Infos zu Jörg Czischke hier http://art-ist-joerg-czischke.posterous.com/
Montag, 11. Juli 2011
„Kleinigkeit zu reparieren”
Einer meiner Freunde hat sich als Buchsammler auf die Kunst der 60er/70er Jahre kapriziert. Er geht mit seinen Büchern immer sehr sorgfältig um, so dass sich seine Anfragen, ob ich ihm nicht mal - aus alter Freundschaft, versteht sich - ein beschädigtes Buch reparieren könnte, schließlich sei ich ja der Buchreparatur liebevoll zugetan … usw. usw. im engen Rahmen halten.
Neulich schleppte er ein, natürlich, seltenes, signiertes, datiertes, nummeriertes, aber nicht paginiertes Werk von Richard Tuttle an. 91,3 cm breit und 30,5 cm hoch. Der ca. 1,5 cm dicke Buchblock wurde auf einem Papier gedruckt, welches unsereinem die Haare hochstehen lässt: Zeitungsrotationspapier, GSD in der richtigen Laufrichtung. Der ursprüngliche buchbinderische Aufwand hielt sich in Grenzen. Die Rückenbindung bestand aus einem dünnen Streiflein Heissleim und einem selbstklebenden Leinenklebeband, das die beiden 3mm-Graupappen zusammenhielt. Es ist mir bis heute nicht klar, durch welche Heissklebemaschine man ein über 90 cm breites Buch schicken kann.
Egal, den ollen Heißleim habe ich rückstandslos entfernen können und durch eine Lumbeck-Leimung ersetzt. Auch das Wiedereinsetzen in die originale Selbstklebeleinen-3-mm-Pappen-Deckenkonstruktion mit ihrer schönen Gestaltung durch den Künstler ist gelungen. Mit ein bisschen Improvisation und ein paar Leimzwingen aus dem Baumarkt steht das Monsterbuch auf seiner Leimfuge und trocknet nun still und starr, mindestens 8 Stunden.
Neulich schleppte er ein, natürlich, seltenes, signiertes, datiertes, nummeriertes, aber nicht paginiertes Werk von Richard Tuttle an. 91,3 cm breit und 30,5 cm hoch. Der ca. 1,5 cm dicke Buchblock wurde auf einem Papier gedruckt, welches unsereinem die Haare hochstehen lässt: Zeitungsrotationspapier, GSD in der richtigen Laufrichtung. Der ursprüngliche buchbinderische Aufwand hielt sich in Grenzen. Die Rückenbindung bestand aus einem dünnen Streiflein Heissleim und einem selbstklebenden Leinenklebeband, das die beiden 3mm-Graupappen zusammenhielt. Es ist mir bis heute nicht klar, durch welche Heissklebemaschine man ein über 90 cm breites Buch schicken kann.
Egal, den ollen Heißleim habe ich rückstandslos entfernen können und durch eine Lumbeck-Leimung ersetzt. Auch das Wiedereinsetzen in die originale Selbstklebeleinen-3-mm-Pappen-Deckenkonstruktion mit ihrer schönen Gestaltung durch den Künstler ist gelungen. Mit ein bisschen Improvisation und ein paar Leimzwingen aus dem Baumarkt steht das Monsterbuch auf seiner Leimfuge und trocknet nun still und starr, mindestens 8 Stunden.
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| 91,3 cm Richard Tuttle müssen noch trocknen |
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| 91,3 cm Richard Tuttle sind getrocknet und von allen Hilfs-Hilfsmitteln befreit |
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